Neue Kämpfe im Jemen

57.000 Kinder auf der Flucht

(17.09.2026) Die Kämpfe im Jemen eskalieren weiter – und das ausgerechnet nahe einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Regierungstruppen und die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen liefern sich heftige Gefechte im Westen der Provinz Taiz, unweit der Meerenge Bab al-Mandab. Gleichzeitig warnt UNICEF vor dramatischen Folgen für Kinder: Innerhalb von nur zwei Wochen wurden mehr als 57.000 Kinder aus ihren Häusern vertrieben.

Kämpfe rücken an wichtige Meerenge heran

Seit der Nacht konzentrieren sich die Gefechte auf den Westen von Taiz. Regierungstruppen erklärten, sie hätten mit Unterstützung von Luftangriffen weitere Vorstöße der Houthi verhindert. Dabei soll es zahlreiche Tote und Verletzte unter den Rebellen gegeben haben. Die Houthis wiederum berichteten über saudische Luftangriffe. Viele dieser militärischen Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Die Region ist besonders heikel: Die Bab-al-Mandab-Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden. Wer von Asien über den Suezkanal nach Europa fährt, muss durch dieses Nadelöhr. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation bezeichnet die Route als eine der wichtigsten Verkehrsadern des Welthandels.

Warum die Kämpfe auch Europa betreffen können

Die Meerenge ist nicht nur für Containerschiffe, sondern auch für Öl- und Energietransporte wichtig. Nach Daten der US-Energiebehörde EIA liefen in der ersten Jahreshälfte 2025 rund sechs Prozent des weltweit auf dem Seeweg gehandelten Öls über die miteinander verbundenen Routen Bab al-Mandab, Suezkanal und SUMED-Pipeline.

Werden Schiffe zur Umfahrung gezwungen, führt der alternative Weg um das Kap der Guten Hoffnung zu deutlich längeren Fahrzeiten und höheren Transportkosten. Ob und wie stark die aktuelle Eskalation Preise in Europa tatsächlich beeinflusst, lässt sich derzeit allerdings nicht seriös vorhersagen.

Drohnentrümmer töten Mann in Saudi-Arabien

Die Gewalt bleibt nicht auf den Jemen beschränkt. In der saudischen Region Taif östlich von Mekka wurde ein Mann von Trümmern einer abgefangenen Houthi-Drohne getötet. Bei dem Toten handelt es sich laut saudischem Zivilschutz um einen Jemeniten.

Ein pakistanischer Staatsbürger und eine Frau aus Saudi-Arabien wurden verletzt. Auch Gebäude und Fahrzeuge wurden beschädigt.

Saudi-Arabien erklärte außerdem, bereits zuvor eine von den Houthis in Richtung Mekka gestartete Drohne abgefangen zu haben. Die Houthis bestreiten nach AP-Berichten Teile der saudischen Darstellung der jüngsten Angriffe.

Mehr als 125.000 Menschen auf der Flucht

Besonders dramatisch ist die Lage für die Zivilbevölkerung. Insgesamt wurden seit Beginn der jüngsten Eskalation bereits mehr als 125.000 Menschen vertrieben. Allein in Teilen der Region Taiz sollen Zehntausende ihre Häuser verlassen haben.

Viele Familien fliehen mit kaum mehr als dem, was sie tragen können. Sie treffen auf ein Land, das schon seit Jahren mit Hunger, zerstörter Infrastruktur und einer schweren humanitären Krise kämpft.

Mindestens neun Kinder getötet

UNICEF schlägt deshalb Alarm. Seit dem 3. September wurden nach Angaben des Kinderhilfswerks mindestens neun Kinder getötet und zwölf weitere verletzt. Drei Kinder gelten nach einem Angriff auf einer Straße zwischen der jemenitischen Westküste und Aden als vermisst.

Innerhalb von zwei Wochen mussten mehr als 104.000 Menschen fliehen – darunter über 57.000 Kinder.

243 Schulen geschlossen oder Unterricht ausgesetzt

Die Kämpfe treffen Kinder auch weit entfernt von der unmittelbaren Front. Laut UNICEF mussten 243 Schulen schließen oder den Unterricht aussetzen. Mehr als 137.000 Schülerinnen und Schüler sind davon betroffen.

Auch 26 von UNICEF unterstützte Gesundheitseinrichtungen mussten ihre Leistungen einschränken oder unterbrechen.

Schon vor den Kämpfen Millionen Kinder in Not

Die neue Gewalt trifft ein Land, in dem die Lage bereits zuvor katastrophal war. UNICEF zufolge sind im Jemen mehr als zwölf Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen. Millionen Kinder haben durch den jahrelangen Konflikt zeitweise oder dauerhaft keinen Zugang zu Schule, medizinischer Versorgung und ausreichender Ernährung.

Die Gefechte nahe Bab al-Mandab haben deshalb zwei weitreichende Folgen: Sie bedrohen eine für Europa und Asien wichtige Handelsroute – und verschärfen gleichzeitig eine humanitäre Krise, deren größte Leidtragende erneut Kinder und andere Zivilisten sind.

(fd/apa)

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