28 Jahre-50.000 Kilometer
Zu Fuß um die Welt!
(25.09.2026) Fast 28 Jahre, rund 50.000 Kilometer und vier Kontinente: Der britische Abenteurer Karl Bushby – gesprochen: Karl Buschbi – ist seinem außergewöhnlichen Ziel so nahe wie noch nie. Seit 1998 versucht der ehemalige Fallschirmjäger, aus eigener Kraft von Südamerika zurück in seine englische Heimat zu gelangen. Jetzt steht der 57-Jährige an der französischen Küste – und ausgerechnet der Ärmelkanal könnte seine Weltreise auf den letzten Kilometern ausbremsen.
Seit 1998 zu Fuß unterwegs
Bushbys sogenannte Goliath Expedition begann am 1. November 1998 im südchilenischen Punta Arenas. Damals war er 29 Jahre alt. Sein Ziel: einmal auf einer möglichst durchgehenden Route um die Welt und schließlich zurück nach Hull im Norden Englands.
Für das Abenteuer stellte Bushby zwei Regeln auf, die bis heute gelten: Er darf kein Transportmittel benutzen, um auf seiner Route voranzukommen, und er darf nicht einfach nach Hause zurückkehren, bevor er sein Ziel aus eigener Kraft erreicht hat. Pausen waren erlaubt – nach einer Unterbrechung musste er allerdings wieder exakt dort weitermachen, wo seine Reise zuvor geendet hatte.
Durch Dschungel, Eis und die Beringstraße
Seine Route führte Bushby zunächst durch Süd- und Mittelamerika. Dabei durchquerte er unter anderem den berüchtigten Darién Gap zwischen Kolumbien und Panama, eine nahezu straßenlose Dschungelregion, die als eine der schwierigsten Passagen der Reise galt.
Danach wanderte er durch Mittelamerika, Mexiko, die USA und Kanada bis nach Alaska. Eine der spektakulärsten Etappen folgte 2006: Gemeinsam mit dem französischen Abenteurer Dimitri Kieffer überquerte Bushby die Beringstraße zwischen Alaska und Russland auf dem Eis.
Für die rund 90 Kilometer lange Passage benötigten die beiden etwa 14 Tage. Sie bewegten sich teilweise bei Temperaturen von rund minus 30 Grad über sich ständig verschiebende Eisflächen. Bushby wurde damit zum ersten Briten, dem eine solche Überquerung zu Fuß gelang.
Visa, Finanzkrise und Corona kosten Bushby Jahre
Eigentlich sollte die Expedition wesentlich schneller abgeschlossen sein. Bushby rechnete zu Beginn mit ungefähr zwölf Jahren. Doch aus dem geplanten Jahrzehnt wurden beinahe drei Jahrzehnte.
Vor allem politische Grenzen und Visa machten ihm zu schaffen. Nach seiner Ankunft in Russland bekam er zeitweise keine Genehmigung, seine Route wie geplant fortzusetzen. Dazu kamen finanzielle Schwierigkeiten nach der Finanzkrise 2008 und später die Reisebeschränkungen während der Corona-Pandemie.
Bushby schätzt, dass ihn solche Unterbrechungen insgesamt rund 14 Jahre gekostet haben. Dennoch setzte er seine Reise immer wieder an genau jenem Punkt fort, an dem er zuvor stoppen musste.
Für seine Route schwamm er sogar durch das Kaspische Meer
Eine der ungewöhnlichsten Entscheidungen seiner Reise traf Bushby 2024. Um seine ununterbrochene Route fortsetzen zu können, ohne erneut durch Russland oder den Iran reisen zu müssen, durchquerte er einen Teil des Kaspischen Meeres schwimmend.
Die Strecke betrug rund 300 Kilometer. Damit hat Bushby zwar bereits eine enorme Distanz im Wasser bewältigt – trotzdem bezeichnet er sich selbst keineswegs als begeisterten Schwimmer.
Letztes großes Hindernis: der Ärmelkanal
Inzwischen hat Bushby Europa erreicht und steht vor dem geografisch letzten großen Hindernis zwischen ihm und Großbritannien: dem Ärmelkanal.
Ursprünglich wollte er den Kanal überhaupt nicht schwimmend überqueren. Sein Plan war, durch einen Versorgungs- beziehungsweise Servicetunnel des Eurotunnels nach England zu gehen. Die Betreiber lehnten das aus Sicherheitsgründen jedoch ab.
Damit blieb Bushby praktisch nur eine Möglichkeit, ohne seine eigenen Regeln zu brechen: schwimmen.
Bushby dachte bereits, er hätte die Genehmigung
Anfang September sah noch alles danach aus, als wäre auch dieses Problem gelöst. Bushby erklärte damals, französische Behörden hätten die außergewöhnliche Kanalüberquerung genehmigt. Als möglicher Starttermin wurde der 1. Oktober 2026 genannt – abhängig von Gezeiten und Wetter.
Doch kurz vor der geplanten Überquerung folgte die böse Überraschung.
Bushby sagte nun während seines Weges zum Cap Blanc-Nez an der nordfranzösischen Küste, sein Team sei davon ausgegangen, die notwendige Erlaubnis zu besitzen. Das habe sich jedoch als falsch herausgestellt. Offenbar hatte es bei der Abstimmung mit den Behörden Missverständnisse gegeben. Bushby sprach selbst davon, inzwischen ein wenig in „Panik“ zu geraten.
Die Weißen Klippen von Dover bereits in Sicht
Besonders bitter: Von Cap Blanc-Nez im Département Pas-de-Calais kann Bushby bei guter Sicht bereits die englische Küste und die berühmten Weißen Klippen von Dover erkennen.
Nach fast 28 Jahren Weltreise liegt seine Heimat damit buchstäblich auf der anderen Seite des Wassers.
Die direkte Entfernung über den Ärmelkanal beträgt an der engsten Stelle nur etwas mehr als 30 Kilometer. Wegen Strömungen, Gezeiten und des enormen Schiffsverkehrs ist eine Kanalüberquerung schwimmend allerdings deutlich länger und anspruchsvoller als eine gerade Linie auf der Karte.
Ausgerechnet Schwimmen ist nicht seine Stärke
Dass Bushby bereits das Kaspische Meer durchquert hat, bedeutet übrigens nicht, dass er das Schwimmen liebt.
Im Gegenteil: Der 57-Jährige beschreibt seine eigenen Fähigkeiten ausgesprochen selbstironisch. Er schwimme ungefähr wie eine Katze, die in eine Badewanne geworfen werde, erklärte er vor seiner geplanten Kanalüberquerung.
Trotzdem sieht er derzeit kaum eine Alternative: Nach fast drei Jahrzehnten will er seine eigenen Regeln nicht kurz vor dem Ziel brechen.
Zeit läuft wegen Wetter und Wassertemperaturen davon
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Das Zeitfenster wird kleiner. Bushby hofft deshalb, die nötige Genehmigung möglichst noch vor Monatsende beziehungsweise Anfang Oktober zu erhalten.
Je weiter der Herbst fortschreitet, desto schwieriger können Wind, Wellen, Wassertemperatur und Wetter eine sichere Überquerung des Ärmelkanals machen. Der Kanal zählt außerdem zu den meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt.
Damit könnte ein bürokratisches Problem nach rund 50.000 Kilometern tatsächlich darüber entscheiden, ob Bushby seine Expedition noch in diesem Herbst fortsetzen kann.
Nach dem Ärmelkanal ist die Reise noch nicht ganz vorbei
Auch wenn Bushby England erreicht, endet die Goliath Expedition nicht sofort in Dover. Sein eigentliches Ziel liegt weiter nördlich: Er will bis in seine Heimatregion Hull weitergehen und schließlich aus eigener Kraft nach Hause zurückkehren.
Seine offizielle Expeditionsseite verzeichnete Ende August bereits 49.110 zurückgelegte Kilometer. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch rund 900 Kilometer vor ihm – inzwischen hat er davon einen weiteren Teil durch Belgien und Nordfrankreich absolviert.
28 Jahre Weltreise könnten am Ärmelkanal entschieden werden
Buschbys Geschichte ist damit noch nicht zu Ende. Er hat Dschungel durchquert, die Beringstraße auf Eis überwunden, politische Grenzen ausgesessen und sogar hunderte Kilometer durch das Kaspische Meer zurückgelegt.
Jetzt hängt die Fortsetzung seiner Reise ausgerechnet von einer Genehmigung für rund 30 Kilometer Wasser zwischen Frankreich und England ab.
Und falls Frankreich die Überquerung endgültig nicht erlaubt? Bushby hat darauf bereits eine Antwort gegeben: Dann müsse er wohl den Rest seines Lebens in Frankreich verbringen.
(fd/apa)