9/11 und Verschwörungen

Der Kronehit Faktencheck

(11.09.2026) 25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verbreiten sich in sozialen Netzwerken erneut alte Videos, zusammengeschnittene Aufnahmen und vermeintlich ungeklärte Hinweise. Besonders häufig geht es um eine angebliche kontrollierte Sprengung der Twin Towers, den Einsturz von World Trade Center 7 und jene 2,3 Billionen Dollar, über die Donald Rumsfeld ausgerechnet am Tag vor 9/11 sprach.

Viele dieser Erzählungen enthalten tatsächlich richtige Einzelheiten. Problematisch wird es dort, wo daraus Schlussfolgerungen gezogen werden, die durch technische Untersuchungen, Behördenakten oder Finanzdaten nicht belegt sind. Genau diese Punkte sind entscheidend.

Wurden die Twin Towers kontrolliert gesprengt?

Eine der bekanntesten 9/11-Verschwörungstheorien lautet, die beiden Türme des World Trade Centers könnten nicht allein durch die Flugzeugeinschläge und die anschließenden Brände eingestürzt sein. Als vermeintliche Hinweise gelten die hohe Geschwindigkeit der Einstürze, enorme Staubwolken und seitlich aus den Gebäuden austretende Staubstöße.

Die technische Untersuchung des National Institute of Standards and Technology (NIST) kommt zu einem anderen Ergebnis. Der sichtbare Kollaps begann bei beiden Türmen in jenen Bereichen, die zuvor durch die Flugzeugeinschläge massiv beschädigt worden waren und in denen anschließend großflächige Brände wüteten. Belastbare Hinweise auf eine kontrollierte Sprengung wurden nicht gefunden.

Auch der häufig gehörte Satz „Jet fuel can’t melt steel beams“ greift zu kurz. Der Stahl musste nicht schmelzen. Baustahl verliert bereits deutlich unter seinem Schmelzpunkt an Festigkeit und Steifigkeit. Gleichzeitig waren durch die Einschläge tragende Elemente beschädigt und Brandschutzmaterial teilweise von Stahlteilen entfernt worden.

Auch seitlich austretende Staubwolken sind für sich kein Sprengstoffnachweis. Beim fortschreitenden Einsturz wurde Luft in den Stockwerken komprimiert und zusammen mit Staub und Rauch durch Fenster und Fassadenöffnungen nach außen gedrückt.

WTC 7 fiel tatsächlich kurz im freien Fall

World Trade Center 7 ist bis heute einer der meistdiskutierten Punkte rund um 9/11. Das 47-stöckige Gebäude wurde von keinem Flugzeug getroffen und stürzte am Nachmittag des 11. September ein.

Ein häufig genannter Punkt stimmt tatsächlich: Ein Teil der sichtbaren Nordfassade bewegte sich laut NIST rund 2,25 Sekunden annähernd im freien Fall.

Daraus folgt aber nicht automatisch eine Sprengung. Denn diese Phase war nicht der Beginn des Einsturzes. Im Inneren des Gebäudes hatte zuvor bereits ein fortschreitendes strukturelles Versagen eingesetzt. Das östliche Penthouse war sichtbar eingebrochen, bevor die gesamte Fassade nach unten fiel.

NIST führt den Einsturz auf fast sieben Stunden unkontrollierter Brände und daraus folgendes strukturelles Versagen zurück. Der freie Fall ist damit real, beschreibt aber lediglich einen Teil des Einsturzablaufs und beweist für sich allein nicht, wodurch die tragende Struktur zuvor versagte.

Was hat es mit den 2,3 Billionen Dollar im Pentagon auf sich?

Eine besonders hartnäckige Geschichte dreht sich um Donald Rumsfeld und 2,3 Billionen Dollar. Am 10. September 2001 sprach der damalige US-Verteidigungsminister über gewaltige Probleme im Finanzmanagement des Pentagon. Einen Tag später wurde das Gebäude angegriffen.

Daraus entstand die Behauptung, 2,3 Billionen Dollar seien plötzlich verschwunden und der Anschlag habe anschließend die Beweise dafür vernichtet.

Die Zahl von 2,3 Billionen Dollar ist real – ihre Interpretation als verschwundenes Geld jedoch falsch. Sie bezog sich auf Buchungsanpassungen in den Finanzabschlüssen des US-Verteidigungsministeriums, für die keine ausreichenden Unterlagen oder nachvollziehbaren Audit-Trails vorhanden waren.

Das zugrunde liegende Problem war bereits vor dem 11. September öffentlich dokumentiert. Es ging also nicht um 2,3 Billionen Dollar Bargeld, die plötzlich aus einer Kasse verschwunden waren. Sehr wohl handelte es sich aber um massive und bereits damals kritisierte Probleme mit den Buchhaltungs- und Computersystemen des Pentagon.

Traf wirklich Flight 77 das Pentagon?

Auch die Behauptung, das Pentagon sei von einer Rakete statt von American Airlines Flight 77 getroffen worden, hält sich bis heute. Häufig werden dafür Bilder des Einschlagsbereichs oder die angeblich geringe Zahl großer Flugzeugteile angeführt.

Die vorhandene Beweislage umfasst allerdings wesentlich mehr als einzelne Fotos. Im Pentagon wurden Flugzeugteile geborgen. Auch Flugdatenschreiber und Cockpit-Stimmenrekorder wurden gefunden. Der Flugdatenschreiber lieferte verwertbare Angaben zu Höhe, Geschwindigkeit und Kurs.

Hinzu kommen Radar- und Funkdaten sowie Augenzeugenberichte. Eine Raketenhypothese müsste gleichzeitig erklären, was mit Flight 77 und seinen Insassen geschah und warum Flugzeugteile, Flugdaten und Zeugenaussagen zusammenpassen.

Gab es verdächtige Börsengeschäfte vor 9/11?

Tatsächlich wurden vor den Anschlägen auffällige Put-Optionen auf United Airlines und American Airlines gehandelt. Weil solche Optionen im Wert steigen können, wenn Aktienkurse fallen, entstand schnell der Verdacht, jemand könnte von den Anschlägen gewusst haben.

Die Geschäfte wurden umfangreich untersucht. Laut 9/11-Kommission analysierten Ermittler mehr als 9,5 Millionen Wertpapiertransaktionen. Ein belastbarer Zusammenhang zwischen den auffälligen Trades und Al-Qaida oder konkretem Vorwissen über die Anschläge wurde nicht gefunden.

Ein oft genanntes Beispiel betrifft United Airlines: 95 Prozent bestimmter Put-Optionen vom 6. September stammten von einem institutionellen Investor ohne festgestellte Verbindung zu Al-Qaida. Derselbe Investor kaufte anschließend auch größere Mengen Aktien von American Airlines – ein Geschäft, das bei sicherem Vorwissen über die bevorstehenden Anschläge kaum logisch wäre.

Warum halten sich die 9/11-Theorien bis heute?

Gerade 9/11-Verschwörungstheorien funktionieren häufig deshalb so gut, weil ihre Ausgangspunkte nicht vollständig erfunden sind. WTC 7 befand sich kurz im freien Fall. Rumsfeld sprach tatsächlich über 2,3 Billionen Dollar. Es gab auffällige Börsengeschäfte. Auch Staubwolken und ungewöhnliche Bilder der Einstürze sind real.

Der entscheidende Unterschied liegt zwischen einer auffälligen Beobachtung und einem Beweis für deren behauptete Ursache. Genau an dieser Stelle scheitern viele der bekanntesten 9/11-Erzählungen.

Kritische Fragen zu Behördenversagen, Geheimdienstpannen oder technischen Details sind legitim. Die verfügbaren Untersuchungen liefern jedoch keine belastbare Beweiskette für eine kontrollierte Sprengung der Twin Towers, eine Sprengung von WTC 7 oder angeblich verschwundene 2,3 Billionen Dollar im Pentagon.

(fd/mimikama.org)

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