Angriff in Justizanstalt Stein

Krems: Russe greift Beamte an!

(17.07.2026) In der Justizanstalt Stein in Niederösterreich sind am Freitagvormittag zwei Justizwachebeamte bei einem Angriff durch einen Häftling verletzt worden. Der Vorfall ereignete sich laut Justizministerium im Zuge einer Personendurchsuchung, bei der dem Insassen mutmaßlich unerlaubte Gegenstände abgenommen werden sollten.

Mehrere Beamte mussten nach dem Einsatz medizinisch untersucht werden. Die beiden verletzten Justizwachebeamten konnten das Krankenhaus nach ambulanter Behandlung wieder verlassen. Ein zunächst befürchteter Knochenbruch bestätigte sich nicht.

Taser-Einsatz nach Faustschlag

Nach APA-Informationen handelt es sich bei dem Insassen um einen 23-jährigen russischen Staatsbürger, der erst vor Kurzem von der Justizanstalt Innsbruck nach Stein verlegt worden war. Der als besonders gefährlich eingestufte Häftling soll bereits in der vergangenen Woche eine Beamtin angegriffen haben und war daraufhin in die Sicherheitsabteilung verlegt worden.

Dort eskalierte die Situation erneut. Laut Justizwachegewerkschafter Wolfgang Graf versetzte der Häftling einem Beamten plötzlich einen Faustschlag ins Gesicht. Um den Mann unter Kontrolle zu bringen, mussten sechs Mitglieder der Justizwache-Einsatzgruppe eingreifen. Dabei kam auch ein Taser zum Einsatz. Ein weiterer Beamter erlitt eine Rippenprellung.

Das Justizministerium bestätigte den Vorfall und erklärte, dass bei der Amtshandlung die vorgesehene Anzahl an Justizwachepersonal im Einsatz gewesen sei. Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) wünschte den verletzten Beamten eine rasche Genesung.

Zu den Gründen der Haft oder zum Gesundheitszustand des Insassen machte das Ministerium aus Datenschutzgründen keine Angaben.

Gewerkschaft warnt vor Personalmangel

Die Justizwachegewerkschaft sieht den Angriff auch als Folge des Personalmangels im Strafvollzug. Laut Gewerkschafter Wolfgang Graf sind in der Justizanstalt Stein derzeit lediglich rund 84 Prozent der vorgesehenen Planstellen besetzt. Gerade während der Urlaubszeit verschärfe sich die Situation zusätzlich.

Graf fordert daher mehr Personal für die Justizwache und warnt, dass die Belastungsgrenze vieler Beamter bereits erreicht sei.

Volksanwältin sieht strukturelle Probleme

Auch die für den Strafvollzug zuständige Volksanwältin Gabriela Schwarz zeigte sich nach dem Vorfall besorgt. Sie sprach von einer gefährlichen Kombination aus überfüllten Gefängnissen und Personalmangel.

Ohne ausreichend Justizwache- und Fachpersonal werde sich die Situation in Österreichs Gefängnissen nicht nachhaltig verbessern, so Schwarz. Sie fordert daher rasche Maßnahmen zur Entlastung der Justizanstalten.

(fd/apa)

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