Iran-Krieg füllt Kassen
Wer sind die Profiteure?
(12.05.2026) Der Iran-Krieg trifft Verbraucher, Unternehmen und ganze Volkswirtschaften über steigende Energiepreise. Doch während viele Haushalte höhere Kosten spüren, gibt es auch klare wirtschaftliche Gewinner. Besonders Ölkonzerne, Rohstoffhändler, Rüstungsfirmen, Banken und Teile der Green-Tech-Branche profitieren von der Krise.
Ölkonzerne verdienen an hohen Preisen
Der offensichtlichste Gewinner ist die Ölbranche. Durch Lieferausfälle, Unsicherheit an der Straße von Hormus und starke Preisschwankungen stiegen die Gewinne großer Energiekonzerne deutlich. Saudi Aramco meldete für das erste Quartal einen Gewinnsprung auf rund 33 Milliarden Dollar. Auch Shell und BP profitierten stark von den höheren Ölpreisen.
Besonders europäische Ölmultis haben einen Vorteil: Sie verdienen nicht nur mit Förderung, sondern auch mit Handel. Bei stark schwankenden Preisen können Händler große Gewinne erzielen. Laut „Financial Times“ machten Shell, BP und TotalEnergies im ersten Quartal Milliarden mit Ölgeschäften. TotalEnergies soll allein mit Rohöl aus Dubai und Oman mehr als eine Milliarde Dollar verdient haben.
Gewinner Nummer zwei: Rüstungskonzerne
Wie fast immer in Kriegszeiten steigt auch die Nachfrage nach Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung. Große US-Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin, Boeing und Northrop Grumman meldeten zuletzt hohe Auftragsbestände. Staaten investieren stärker in Verteidigung, füllen Lager auf und bereiten sich auf längere geopolitische Unsicherheit vor.
Banken profitieren von Unsicherheit
Auch große Banken gehören zu den Profiteuren. Wenn Märkte stark schwanken, steigen Handelsvolumen und Absicherungsgeschäfte. JPMorgan verzeichnete im Umfeld der Krise einen der stärksten Quartalsgewinne der Bankgeschichte. Gleichzeitig warnte Bankchef Jamie Dimon aber vor zunehmenden geopolitischen Risiken, Inflation und unsicheren Energiemärkten.
Green Tech wird plötzlich attraktiver
Der Iran-Krieg zeigt vielen Ländern, wie riskant die Abhängigkeit von Öl und Gas ist. Genau davon profitieren Anbieter von Solaranlagen, Batterien, Wärmepumpen und Elektroautos. In Großbritannien meldete Octopus Energy einen deutlichen Anstieg bei Solarpaneelen, Wärmepumpen und E-Auto-Ladegeräten. Viele Kunden wollen sich unabhängiger von fossilen Energiepreisen machen.
China als großer Gewinner der Energiewende
Besonders stark profitiert China. Das Land dominiert große Teile der Produktion von Solarmodulen, Batterien und E-Autos. Chinesische Solarexporte erreichten im März laut Ember einen Rekordwert und verdoppelten sich gegenüber Februar. In 50 Ländern wurden Rekordimporte chinesischer Solartechnik registriert.
Auch Chinas Batterieexporte legten deutlich zu. Laut Bloomberg stiegen die Lithium-Batterieexporte im ersten Quartal um 50 Prozent. Der Krieg verstärkte damit einen Trend, der ohnehin schon lief: Länder suchen nach Energiespeichern, um unabhängiger von Öl, Gas und instabilen Lieferketten zu werden.
E-Autos und Plug-in-Hybride boomen im Export
Hohe Spritpreise machen Elektroautos und Plug-in-Hybride attraktiver. Chinesische Hersteller wie BYD, Geely oder Chery nutzen diese Chance und bauen ihre Exportmärkte aus. Im April stiegen Chinas Exporte von New Energy Vehicles laut Branchenangaben um mehr als 120 Prozent.
BYD zählt dabei zu den wichtigsten Gewinnern. Der Konzern profitiert doppelt: Einerseits steigt die Nachfrage nach E-Autos, andererseits ist BYD auch ein großer Batteriehersteller. In Europa, Australien und Südostasien gewinnen chinesische Marken weiter Marktanteile.
Afrika setzt stärker auf Solarstrom
Auch in Afrika wächst der Bedarf an Solartechnik. In Nigeria etwa verteuerten hohe Dieselpreise den Betrieb von Generatoren. Der chinesische Hersteller JinkoSolar schloss dort Liefervereinbarungen über insgesamt 600 Megawatt Solarmodule ab. Damit sollen Haushalte, Betriebe und Industrieunternehmen unabhängiger von Dieselstrom werden.
Wer vom Iran-Krieg profitiert
Die wirtschaftlichen Gewinner lassen sich klar einordnen:
- Ölkonzerne: profitieren von hohen Preisen und knapperem Angebot
- Ölhändler: verdienen an starken Preisschwankungen
- Rüstungskonzerne: erhalten mehr Aufträge von Staaten
- Großbanken: profitieren von volatilen Märkten und Handelsgeschäften
- Green-Tech-Firmen: verkaufen mehr Solaranlagen, Batterien und Ladeinfrastruktur
- Chinesische Hersteller: gewinnen Exportmärkte bei E-Autos, Batterien und Solarmodulen
Krieg beschleunigt den Energieumbau
Der Iran-Krieg macht fossile Abhängigkeiten teurer und riskanter. Kurzfristig verdienen Ölkonzerne und Händler an der Krise. Langfristig könnten aber vor allem jene Unternehmen profitieren, die Alternativen liefern: Solartechnik, Batterien, E-Autos und Speicherlösungen.
Damit zeigt sich ein paradoxes Bild: Ein Krieg, der den Ölpreis hochtreibt, füllt zwar die Kassen der Ölindustrie. Gleichzeitig beschleunigt er aber auch den Umstieg auf erneuerbare Energie – und spielt damit vor allem China und der globalen Green-Tech-Branche in die Hände.
(fd)