Neue Netztarife
Wer spart – wer zahlt drauf
(15.07.2026) Ab 1. Jänner 2027 sollen die Stromnetzkosten in Österreich grundlegend neu berechnet werden. Nach den Plänen der Regulierungsbehörde E-Control werden rund 75 Prozent aller Haushalte künftig niedrigere Netzkosten bezahlen. Besonders profitieren sollen kleine Haushalte und alle, die ihren Stromverbrauch möglichst gleichmäßig über den Tag verteilen. Wer hingegen hohe Leistungsspitzen verursacht – etwa beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer stromintensiver Geräte oder beim schnellen Laden eines Elektroautos – muss künftig mit höheren Kosten rechnen.
Das ändert sich bei den Stromnetzkosten
Bisher wurden die Netzkosten für Haushalte hauptsächlich nach dem gesamten Stromverbrauch in Kilowattstunden (kWh) berechnet. Künftig spielt zusätzlich eine deutlich größere Rolle, wie viel Strom gleichzeitig aus dem Netz bezogen wird. Dafür wird ein sogenannter Leistungspreis eingeführt, der anhand der höchsten gemessenen Viertelstunde pro Monat berechnet wird. Möglich wird das durch die bereits vielerorts installierten digitalen Stromzähler (Smart Meter).
Laut E-Control soll der Anteil des reinen Stromverbrauchs an den Netzkosten innerhalb von drei Jahren von bisher über 80 Prozent auf 50 Prozent sinken. Die andere Hälfte entfällt künftig auf den Leistungspreis.
So stark sollen Haushalte profitieren
Berechnungen der E-Control auf Basis realer Verbrauchsdaten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Haushalten:
So ändern sich die Netzkosten ab 2027
- Kleiner Haushalt (1.800 kWh/Jahr): 31 % weniger Netzkosten
- Durchschnittshaushalt (3.500 kWh/Jahr): 10 % weniger Netzkosten
- Haushalt mit Wärmepumpe (8.700 kWh/Jahr): 12,4 % weniger Netzkosten
- Haushalt mit E-Auto und Laden mit 11 kW: 21 % höhere Netzkosten
- Haushalt mit E-Auto und flexiblem Laden: 8,5 % weniger Netzkosten
E-Auto-Besitzer müssen ihr Ladeverhalten ändern
Besonders betroffen sind Besitzer von Elektroautos. Wer sein Fahrzeug weiterhin mit voller Leistung von 11 Kilowatt zu Hause lädt, muss laut Berechnungen mit rund 21 Prozent höheren Netzkosten rechnen.
Wer die Ladeleistung reduziert oder sein Auto zeitversetzt und gleichmäßiger lädt, kann dagegen sogar Geld sparen. Die Reform soll damit Anreize schaffen, Strom dann zu nutzen, wenn das Netz weniger belastet ist.
Warum die Reform kommt
Nach Angaben der E-Control verursacht nicht der gesamte Stromverbrauch die größten Kosten für den Netzausbau, sondern vor allem kurze Lastspitzen, wenn besonders viel Strom gleichzeitig benötigt wird. Diese Belastung wurde im bisherigen Tarifsystem kaum berücksichtigt.
E-Control-Vorstand Michael Strebl betont deshalb: "Gewinner ist, wer einen konstanten Verbrauch hat. Mehrkosten entstehen bei Spitzen relativ zum Verbrauch." Das gesamte Aufkommen der Netzkosten bleibe gleich – die Reform führe lediglich zu einer gerechteren Verteilung.
Mindestleistung und flexible Tarife
Die Mindestleistung wird künftig bei 2 Kilowatt liegen. Ab einer Leistung von 10 Kilowatt verdoppelt sich der Leistungspreis.
Zusätzlich soll es vergünstigte Tarife für flexible Stromnutzung geben. Wer dem Netzbetreiber erlaubt, die bezogene Leistung zeitweise zu begrenzen – oder den Stromverbrauch selbst entsprechend steuert – bezahlt nur noch 25 Prozent des regulären Leistungspreises.
Neue Gebühren werden im Herbst festgelegt
Die E-Control hat Ende Juni bereits die Grundsatzverordnung für die neuen Stromnetzgebühren veröffentlicht. Die konkreten Tarife sollen im Herbst beschlossen werden und ab 1. Jänner 2027 gelten.
Politisch sorgt die Reform bereits für Diskussionen. Die FPÖ begrüßte zwar das neue Verursacherprinzip bei den Netzkosten, kritisierte jedoch die Energiepolitik der vergangenen Jahre und forderte weitergehende Reformen.
(fd/apa)