PISA 2025 in Österreich

Lesen und Mathe schlecht

(08.09.2026) Die neue PISA-Studie 2025 zeigt für Österreich ein gemischtes Bild: Beim Lesen und in Mathematik verlieren die 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler erneut deutlich an Leistung, in den Naturwissenschaften gibt es dagegen ein Plus. Erstmals liegt Österreich damit in allen getesteten Bereichen über dem OECD-Durchschnitt – allerdings auch deshalb, weil die Leistungen in vielen anderen OECD-Staaten noch stärker eingebrochen sind.

Österreich verliert 13 Punkte beim Lesen

Besonders auffällig ist der Rückgang beim Lesen. Österreich erreicht 2025 im Schnitt 467 Punkte. Das sind 13 Punkte weniger als 2022, aber noch etwas mehr als der OECD-Schnitt von 461 Punkten. OECD-weit fiel der Rückgang mit 14 Punkten ähnlich stark aus. Langfristig ist die Entwicklung noch deutlicher: Im gesamten OECD-Raum ist die durchschnittliche Leseleistung seit 2015 um 28 Punkte gesunken. Die OECD rechnet das grob mit rund eineinhalb Schuljahren Lernleistung gleich.

Rund jeder dritte Jugendliche in Österreich hat Probleme beim sinnerfassenden Lesen. Bei PISA 2025 verfehlen etwa 30 Prozent der 15- und 16-Jährigen das von der OECD definierte Mindestniveau beim Lesen. Das heißt nicht, dass sie gar nicht lesen können – aber komplexere Texte, Zusammenhänge und Schlussfolgerungen bereiten ihnen oft Schwierigkeiten.

Auch Mathematik wird schlechter

In Mathematik erreichen Österreichs Jugendliche 477 Punkte. Damit liegt Österreich klar über dem OECD-Schnitt von 463 Punkten, verliert gegenüber 2022 aber zehn Punkte. Im OECD-Durchschnitt beträgt das Minus neun Punkte.

Auch hier zeigt sich ein längerfristiger Abwärtstrend: OECD-weit gingen die Mathematikleistungen zwischen 2015 und 2025 um 22 Punkte zurück – laut OECD entspricht das etwas mehr als einem Schuljahr.

Naturwissenschaften sind Österreichs Lichtblick

Deutlich besser läuft es bei den Naturwissenschaften, dem Schwerpunkt der PISA-Studie 2025. Österreich kommt auf 497 Punkte und damit auf 15 Punkte mehr als der OECD-Schnitt von 482 Punkten. Gegenüber 2022 bedeutet das ein Plus von sechs Punkten, wobei die OECD diesen Zuwachs statistisch nicht als eindeutig signifikant einstuft.

Auch beim erstmals getesteten computergestützten Problemlösen beziehungsweise „Lernen in der digitalen Welt“ liegt Österreich mit 509 Punkten über dem OECD-Durchschnitt von 500 Punkten.

Erstmals überall über OECD-Schnitt

Damit liegt Österreich bei PISA erstmals in Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften und digitalem Problemlösen über dem jeweiligen OECD-Mittelwert. Das klingt zunächst nach einem großen Erfolg. Bei Lesen und Mathematik ist der Vorsprung allerdings zumindest teilweise dadurch entstanden, dass die Ergebnisse in anderen OECD-Ländern ebenfalls deutlich gefallen sind.

OECD-weit erreicht inzwischen etwa jeder fünfte 15-Jährige in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften nur ein niedriges Leistungsniveau. 2022 waren es noch rund 16 Prozent.

Soziale Herkunft bleibt in Österreich ein großes Problem

Ein Schwachpunkt bleibt in Österreich der Zusammenhang zwischen Elternhaus und Schulerfolg. Der sozioökonomische Status erklärt hier rund 14 Prozent der Leistungsunterschiede in Naturwissenschaften – im OECD-Schnitt sind es 11,6 Prozent.

Der Abstand zwischen Jugendlichen aus dem obersten und untersten sozialen Viertel beträgt in Österreich 98 PISA-Punkte, gegenüber 84 Punkten im OECD-Schnitt. Damit bleibt Bildungserfolg hierzulande stärker von der sozialen Herkunft abhängig als in vielen anderen Staaten.

Zu viel Bildschirmzeit kann Leistung drücken

PISA 2025 liefert außerdem neue Daten zur Digitalisierung in der Schule. Die OECD warnt vor übermäßiger Nutzung digitaler Geräte: Schülerinnen und Schüler schneiden tendenziell schlechter ab, wenn Geräte häufig zum Zeitvertreib verwendet werden oder digitale Ablenkung den Unterricht dominiert. Mehr als ein Viertel der Jugendlichen im OECD-Raum berichtet, dass Mitschüler in fast jeder Naturwissenschaftsstunde durch digitale Geräte abgelenkt werden.

Auch Österreich zeigt diesen Zusammenhang: Jugendliche, die digitale Geräte in der Schule mehr als sieben Stunden täglich nutzen, kamen in Naturwissenschaften im Schnitt auf 490 Punkte. Bei zwei bis drei Stunden Nutzung waren es 510 Punkte. Das ist allerdings eine Korrelation und kein Beweis, dass allein die Bildschirmzeit die schlechteren Ergebnisse verursacht.

Wiederkehr: „Licht und Schatten“

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) spricht deshalb von „Licht und Schatten“. Positiv seien Österreichs gute internationale Position und die Entwicklung in den Naturwissenschaften. Gleichzeitig seien die Rückgänge bei Lesen und Mathematik bedenklich, weil es dabei um grundlegende Kompetenzen gehe.

Wiederkehr will Digitalisierung deshalb „später und besser“ einsetzen. Die Ausgabe vergünstigter beziehungsweise kostenloser digitaler Endgeräte soll künftig von der fünften in die sechste Schulstufe verschoben werden. Gleichzeitig fordert er mehr Fokus auf haptisches Lernen, frühkindliche Bildung und weniger unbegleitete Bildschirmzeit.

Österreichs PISA-Ergebnis auf einen Blick

  • Naturwissenschaften: 497 Punkte – OECD: 482
  • Mathematik: 477 Punkte – OECD: 463
  • Lesen: 467 Punkte – OECD: 461
  • Digitales Problemlösen: 509 Punkte – OECD: 500
  • Veränderung seit 2022: Lesen −13, Mathematik −10, Naturwissenschaften +6 Punkte

PISA 2025 zeigt Österreichs Problem bei Grundkompetenzen

Unterm Strich steht Österreich international besser da als der OECD-Durchschnitt, kann sich darauf aber kaum ausruhen. Gerade bei Lesen und Mathematik geht die Leistung weiter zurück, während soziale Herkunft und digitale Ablenkung große Herausforderungen bleiben.

Der Lichtblick sind die Naturwissenschaften und digitalen Problemlösefähigkeiten. Die zentrale Frage für Österreichs Schulen wird damit sein, ob es gelingt, Digitalisierung gezielter einzusetzen und gleichzeitig die klassischen Grundkompetenzen wieder zu stärken.

(fd/apa)

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