„Placebo-Spritpreisbremse“?
1,9 Cent sind einfach zu wenig
(09.09.2026) Die Spritpreise in Österreich sorgen wieder für Diskussionen. Vor allem Diesel hat sich innerhalb kurzer Zeit massiv verteuert. Gleichzeitig läuft die sogenannte Spritpreisbremse der Bundesregierung weiter – allerdings in deutlich abgeschwächter Form. Im September beträgt die Entlastung über die Mineralölsteuer nur noch 1,9 Cent pro Liter, eine fixe Begrenzung der Margen von Mineralölunternehmen gibt es derzeit nicht.
Besonders auffällig ist die Entwicklung seit Ende August: Am 31. August lag der österreichweite durchschnittliche Dieselpreis noch bei 1,993 Euro pro Liter, eine Woche später waren es bereits 2,126 Euro. Super 95 stieg im selben Zeitraum von 1,784 auf 1,912 Euro. Damit verteuerte sich Benzin binnen einer Woche um 7,2 Prozent und Diesel um 6,7 Prozent.
Was die Spritpreisbremse ursprünglich gebracht hat
Die Bundesregierung führte die Spritpreisbremse im April 2026 als Reaktion auf den starken Anstieg der Energie- und Treibstoffpreise ein. Sie war ausdrücklich kein fixer Preisdeckel. Stattdessen wurden zwei Maßnahmen kombiniert: eine Senkung der Mineralölsteuer (MÖSt) und ein Eingriff in krisenbedingt gestiegene Margen der Treibstoffbranche. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) erklärte damals, die Preise sollten dadurch um insgesamt rund zehn Cent pro Liter gedämpft werden.
Danach wurde die Maßnahme Schritt für Schritt zurückgefahren:
April: 5 Cent weniger Mineralölsteuer plus 5 Cent Margenbegrenzung – insgesamt rund 10 Cent Entlastung pro Liter
Anfang Mai: 2 Cent weniger Mineralölsteuer plus 5 Cent Margenbegrenzung – insgesamt rund 7 Cent pro Liter
Zweite Maihälfte: 2 Cent weniger Mineralölsteuer plus 2,5 Cent Margenbegrenzung – insgesamt rund 4,5 Cent pro Liter
Juni: 1,7 Cent weniger Mineralölsteuer, keine zusätzliche fixe Margensenkung – 1,7 Cent pro Liter
Juli: 0,8 Cent weniger Mineralölsteuer – 0,8 Cent pro Liter
August: 1,9 Cent weniger Mineralölsteuer – 1,9 Cent pro Liter
September: weiterhin 1,9 Cent weniger Mineralölsteuer – 1,9 Cent pro Liter.
Damit ist von der ursprünglichen Entlastung von rund zehn Cent mittlerweile nur noch ein kleiner Teil übrig.
Das gilt bei der Spritpreisbremse aktuell
Die Bundesregierung hat die Regelung mit 31. August bis Ende September 2026 verlängert. Die Mineralölsteuer bleibt um 1,9 Cent pro Liter reduziert. Gleichzeitig gilt die sogenannte Preis-runter-Garantie: Fallen die relevanten internationalen Produktnotierungen für Diesel oder Super, sollen diese Rückgänge rasch an die Kunden weitergegeben werden.
Eine neuerliche fixe Kürzung der Margen, wie sie im April und Mai galt, gibt es allerdings nicht. Das Wirtschaftsministerium spricht ausdrücklich davon, dass der „Margeneingriff ausgesetzt“ bleibt.
Hattmannsdorfer gegen stärkere Eingriffe
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) spricht sich gegen eine neuerliche schärfere Margenbegrenzung aus. Er argumentiert vor allem mit der Versorgungssicherheit und warnt vor dauerhaften staatlichen Eingriffen in den Markt. Außerdem verweist er darauf, dass Österreich bei den Spritpreisen weiterhin unter dem EU-Durchschnitt liege.
Seine Linie lautet daher: MÖSt-Senkung und verpflichtende Weitergabe sinkender Großhandelspreise, aber kein neuer umfassender Eingriff in die Gewinnmargen.
Marterbauer will stärkere Spritpreisbremse
Deutlich anders positioniert sich Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ). Er hatte vor der Verlängerung erklärt, dass eine Spritpreisbremse ohne Margenbegrenzung nur wenig Sinn mache. Auch der ÖGB drängt darauf, die Margen der Mineralölbranche wieder stärker zu begrenzen.
Damit gibt es innerhalb der Bundesregierung unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie stark der Staat in die Preisbildung eingreifen soll: Die ÖVP setzt stärker auf Markt und Versorgungssicherheit, während von SPÖ-Seite stärkere Eingriffe gegen überhöhte Krisenmargen gefordert werden.
Michaela Schmidt: Spritpreisbremse wichtig gegen Inflation
SPÖ-Staatssekretärin Michaela Schmidt bezeichnet die Spritpreisbremse weiterhin als wichtiges Instrument gegen die Inflation. Sie stellt die Maßnahme in eine Reihe mit anderen Eingriffen zur Senkung der Lebenshaltungskosten.
NEOS-Staatssekretär Sepp Schellhorn sieht die Spritpreisbremse dagegen eher als zeitlich begrenztes „Sicherheitsnetz“ in einer unsicheren internationalen Energiesituation. Langfristig setzen die NEOS stärker auf mehr Wettbewerb, zusätzliche heimische Energie und weniger Bürokratie.
FPÖ spricht von „Placebo-Spritpreisbremse“
Die FPÖ hält die derzeitige Lösung für viel zu schwach. Generalsekretär Michael Schnedlitz kritisierte die Entlastung von nur 1,9 Cent pro Liter als praktisch wirkungslos und bezeichnete sie als „Placebo-Variante“ der Spritpreisbremse.
Damit dürfte die Frage, ob die Regierung ab Oktober wieder stärker eingreifen muss, politisch weiter umkämpft bleiben.
Spritpreise: So ging es seit Ende August bergauf
Für den Preisvergleich muss zwischen Durchschnitts- und Medianwerten unterschieden werden. Die verschiedenen offiziellen und auf E-Control-Daten basierenden Auswertungen können daher um einige Cent voneinander abweichen. Der Trend ist jedoch eindeutig.
30. August: Diesel rund 1,943 Euro, Super rund 1,741 Euro pro Liter laut damaliger E-Control-Auswertung.
- September: Diesel-Median rund 2,024 Euro, Super rund 1,829 Euro.
- September: Diesel-Median rund 2,118 Euro, Super rund 1,922 Euro.
- September: offizieller österreichweiter E-Control-Median bei 2,135 Euro für Diesel und 1,926 Euro für Super 95.
- September: Diesel-Median rund 2,139 Euro, Super rund 1,923 Euro.
- September: Am Vormittag lag der aus E-Control-Daten ermittelte Österreich-Median bei rund 2,128 Euro für Diesel und 1,899 Euro für Super 95. Da Preiserhöhungen an österreichischen Tankstellen einmal täglich um 12 Uhr erfolgen dürfen, können die Preise danach wieder höher liegen.
Diesel innerhalb weniger Tage rund 20 Cent teurer
Besonders drastisch ist der Vergleich zwischen Ende August und Anfang September. Vom Wert am 30. August bis zum E-Control-Median vom 7. September verteuerte sich Diesel rechnerisch um rund 19 Cent pro Liter. Super legte im selben Zeitraum sogar um rund 18,5 Cent zu.
Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht ein Preisanstieg um 19 Cent bereits zusätzlichen Kosten von rund 9,50 Euro.
Warum Diesel derzeit besonders teuer ist
Diesel fällt derzeit besonders auf: Am 7. September lag der österreichweite Median bei 2,135 Euro, Super dagegen bei 1,926 Euro. Der Unterschied betrug damit mehr als 20 Cent pro Liter.
Neben Rohölpreisen spielen bei Diesel auch die internationalen Preise für Mitteldestillate, Raffineriekapazitäten, Transportkosten und die Versorgungslage eine wichtige Rolle. Genau deshalb können sich Diesel und Benzin zeitweise sehr unterschiedlich entwickeln.
Was passiert mit der Spritpreisbremse ab Oktober?
Die derzeitige Regelung gilt zunächst bis 30. September 2026. Eine konkrete Verlängerung für Oktober ist mit Stand 9. September noch nicht beschlossen. Die Maßnahmen werden grundsätzlich monatlich evaluiert und können abhängig von der Preisentwicklung angepasst beziehungsweise verlängert werden.
(fd)