Ukraine-Friedensgespräche
Trump drängt Putin
(09.09.2026) Nach mehr als einem halben Jahr Stillstand kommt wieder Bewegung in die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges. Russland erklärte am Mittwoch, man hoffe auf eine baldige Wiederaufnahme der von den USA vermittelten Friedensgespräche mit der Ukraine. Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einem bestätigten politischen Willen, die Verhandlungen fortzusetzen. Einen fertigen Friedensplan oder eine bereits vereinbarte „Roadmap“ gibt es nach Angaben Moskaus allerdings noch nicht.
Die neue diplomatische Initiative folgt auf Besuche der Trump-Vertrauten Steve Witkoff und Jared Kushner in Moskau und Kiew sowie ein rund einstündiges Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin. Trotz vorsichtiger positiver Signale bleiben die Positionen Russlands und der Ukraine vor allem in der Territorialfrage weit auseinander.
Peskow: Russland will Gespräche „in absehbarer Zeit“
Peskow erklärte am Mittwoch, Russland hoffe, dass die Verhandlungen „in absehbarer Zeit“ wieder aufgenommen würden. Moskau stehe weiterhin mit amerikanischen Vertretern in Kontakt. Gleichzeitig machte der Kreml deutlich, dass Einzelheiten möglicher Kompromisse nicht öffentlich verhandelt würden.
Damit reagierte Peskow auch auf Aussagen von US-Außenminister Marco Rubio. Rubio sieht in den kommenden Wochen eine Chance, eine Art Fahrplan für neue Verhandlungen zu entwickeln. Dabei äußerte er sich bewusst zurückhaltend: Die jüngsten Gespräche seien substanziell gewesen und es seien neue Ideen auf den Tisch gekommen, von einem Durchbruch könne aber keine Rede sein. Beide Kriegsparteien verfügten weiterhin über klare „rote Linien“.
Rubios Ziel ist zunächst also nicht ein unmittelbar bevorstehender Friedensvertrag, sondern die Wiederaufnahme eines Verhandlungsprozesses zwischen Russland, der Ukraine und den USA.
Trump schickte Witkoff und Kushner zuerst zu Putin
Die aktuelle diplomatische Offensive begann am 5. September in Moskau. Steve Witkoff und Jared Kushner trafen Putin im Kreml zu mehr als dreistündigen Gesprächen. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bezeichnete die Unterredung anschließend als konstruktiv, offen und nützlich. Konkrete Vereinbarungen wurden jedoch nicht bekannt gegeben.
Nach Angaben aus Moskau ging es nicht nur um Möglichkeiten für ein Ende des Krieges, sondern auch um eine mögliche künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA. Die amerikanischen Unterhändler präsentierten anschließend die in Moskau diskutierten Ansätze der ukrainischen Seite.
Danach reisten die US-Unterhändler nach Kiew
Am 6. September folgte die Reise nach Kiew. Dort trafen Witkoff und Kushner Präsident Wolodymyr Selenskyj. Es war ihr erster offizieller Besuch in der ukrainischen Hauptstadt im Rahmen dieser neuen Vermittlungsrunde. Später wurden auch Vertreter aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien in die Gespräche einbezogen.
Selenskyj bezeichnete die Gespräche als sehr substanziell. Nach seinen Angaben wurden neben einem möglichen Friedensprozess auch Territorialfragen, Sicherheitsgarantien, der Wiederaufbau der Ukraine und die militärische Unterstützung im kommenden Winter besprochen.
Zu einem entscheidenden politischen Durchbruch kam es aber auch in Kiew nicht.
Selenskyj: Einige US-Ideen sind „sehr gut“
Der ukrainische Präsident bewertete zumindest Teile der amerikanischen Vorschläge positiv. Er sprach von „sehr guten, wertvollen Ideen“, die ihm von den US-Unterhändlern präsentiert worden seien. Details will Kiew bislang nicht veröffentlichen.
Selenskyj erklärte zudem, die amerikanischen Vermittler hätten ihm die Botschaft überbracht, dass Russland wieder verhandlungsbereit sei. Er selbst hält eine weitere trilaterale Gesprächsrunde zwischen Ukraine, Russland und den USA für möglich. Einen Termin gibt es bislang nicht.
Nach Angaben Selenskyjs könnten September und Oktober ein entscheidendes Zeitfenster für einen neuen diplomatischen Anlauf sein. Er hofft zudem auf ein Treffen mit Trump rund um die UN-Generalversammlung in New York gegen den 20. September.
Trump telefoniert eine Stunde mit Putin
Am Dienstag telefonierten Donald Trump und Wladimir Putin rund eine Stunde miteinander. Nach Darstellung des Kremls drängte Trump auf ein möglichst schnelles Ende des Krieges. Ein Friedensschluss könnte seiner Ansicht nach auch den Weg für eine weitgehende Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau öffnen.
Dabei sprach Trump laut Kreml auch über erhebliche wirtschaftliche Chancen für beide Staaten, sollte der Krieg beendet werden. Putin habe diesen grundsätzlichen Ansatz unterstützt. Beide Präsidenten vereinbarten außerdem, miteinander in Kontakt zu bleiben.
Putin wiederum schilderte Trump nach russischer Darstellung ausführlich die militärische Lage und erklärte, welche Schritte die USA aus Moskauer Sicht zur Beendigung des Konflikts beitragen könnten.
Putin versichert Trump: keine Angriffspläne gegen Europa
Ein weiterer Punkt des Gesprächs betraf die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und europäischen Staaten. Putin versicherte Trump nach Angaben seines Beraters Uschakow, Russland habe keine aggressiven Pläne gegenüber Europa.
Diese Aussage steht allerdings im deutlichen Gegensatz zu Vorwürfen mehrerer europäischer Regierungen, die Russland für Sabotage- und hybride Operationen in Europa verantwortlich machen. Der Kreml weist derartige Anschuldigungen zurück.
(fd/verschiedene Quellen/apa/krone)