Rückschlag für autonome Autos?
Waymo: Immer wieder Probleme
(24.06.2026) Der US-Robotaxi-Pionier Waymo muss erneut tausende selbstfahrende Fahrzeuge zurückrufen. Die Tochtergesellschaft des Google-Mutterkonzerns Alphabet kündigte an, fast 3.900 autonome Fahrzeuge mit einem Software-Update zu versehen. Grund dafür ist ein Fehler, der dazu führen kann, dass die Robotaxis gesperrte Autobahnbaustellen nicht korrekt erkennen und in abgesperrte Bereiche einfahren. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA begleitet den Rückruf. Es handelt sich bereits um den zweiten größeren Rückruf von Waymo innerhalb weniger Wochen.
Fahrzeuge erkannten Sperren nicht richtig
Auslöser für die Maßnahme waren mehrere Vorfälle in den US-Bundesstaaten Kalifornien und Arizona. Nach Angaben der Behörden kam es seit Anfang April zu mehr als einem Dutzend Situationen, in denen autonome Fahrzeuge von Waymo Schilder für gesperrte Auffahrten oder Baustellenbereiche falsch interpretierten.
Dadurch fuhren die Fahrzeuge teilweise in aktive Baustellenzonen ein. Nach Angaben von Waymo wurden die betroffenen Autobahnfahrten bereits eingeschränkt, während die Software angepasst wird.
Software-Update statt Werkstattbesuch
Anders als bei klassischen Fahrzeugrückrufen müssen die Robotaxis nicht in eine Werkstatt gebracht werden. Die Fehlerbehebung erfolgt per Software-Update.
Gerade bei autonomen Fahrzeugen sind solche digitalen Rückrufe mittlerweile üblich. Neue Programmversionen können drahtlos auf die Fahrzeuge übertragen werden, um erkannte Probleme zu beheben.
Bereits zweiter Rückruf innerhalb kurzer Zeit
Erst im Mai hatte Waymo rund 3.800 Fahrzeuge zurückgerufen. Damals bestand das Risiko, dass die Robotaxis bei extremen Wetterbedingungen mit zu hoher Geschwindigkeit in überflutete Straßen einfahren könnten.
Die aktuellen Probleme zeigen, dass autonome Fahrzeuge weiterhin mit komplexen Verkehrssituationen kämpfen. Besonders Baustellen gelten als große Herausforderung für die Systeme, da sich Verkehrsführungen kurzfristig ändern können und oft zusätzliche Schilder oder Absperrungen zum Einsatz kommen.
Immer wieder Probleme mit der Fahrzeugerkennung
In den vergangenen Jahren musste Waymo bereits mehrfach nachbessern.
Zu den bekannt gewordenen Problemen gehörten unter anderem:
- Schwierigkeiten bei der Erkennung von Abschleppwagen
- Probleme mit Pfosten und anderen Hindernissen
- Fehler beim Erkennen von haltenden Schulbussen
- Missverständnisse bei temporären Verkehrsführungen
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde untersucht derzeit außerdem einen Vorfall aus Santa Monica in Kalifornien. Dort soll ein autonomes Fahrzeug ein Kind in der Nähe einer Schule leicht verletzt haben. Nach bisherigen Erkenntnissen soll das Fahrzeug einen haltenden Schulbus mit Warnblinkern nicht korrekt berücksichtigt haben.
Waymo gilt als Marktführer bei Robotaxis
Trotz der aktuellen Probleme gilt Waymo weiterhin als einer der weltweit führenden Anbieter autonomer Fahrdienste. Das Unternehmen betreibt bereits kommerzielle Robotaxi-Flotten in mehreren US-Städten, darunter Phoenix, San Francisco, Los Angeles und Austin.
Tausende Fahrgäste nutzen die selbstfahrenden Fahrzeuge täglich. Nach Unternehmensangaben wurden bereits Millionen Fahrten ohne menschlichen Fahrer durchgeführt.
Wie sicher sind autonome Autos wirklich?
Die Diskussion über die Sicherheit autonomer Fahrzeuge wird durch die aktuellen Rückrufe erneut angeheizt. Befürworter verweisen darauf, dass menschliche Fahrer jedes Jahr für Millionen Verkehrsunfälle verantwortlich sind und autonome Systeme langfristig deutlich sicherer werden könnten.
Kritiker halten dagegen, dass Robotaxis noch immer Schwierigkeiten haben, ungewöhnliche Situationen richtig einzuschätzen. Baustellen, Einsatzfahrzeuge, Schulbusse oder kurzfristige Verkehrsänderungen zählen weiterhin zu den größten Herausforderungen für künstliche Intelligenz im Straßenverkehr.
Der aktuelle Rückruf zeigt jedoch auch, wie streng autonome Fahrzeuge überwacht werden. Bereits einzelne Fehlentscheidungen der Software führen häufig zu Untersuchungen und verpflichtenden Updates.
Zukunft der Robotaxis bleibt trotz Rückschlägen vielversprechend
Für Waymo bedeutet der aktuelle Rückruf zwar einen Imageschaden, grundsätzlich stellt er das Geschäftsmodell jedoch nicht infrage. Das Unternehmen arbeitet bereits an einer überarbeiteten Softwareversion und hat die betroffenen Funktionen teilweise eingeschränkt.
Experten gehen davon aus, dass Rückrufe und Softwarekorrekturen auch künftig zum Alltag autonomer Fahrzeuge gehören werden. Während klassische Autos für Reparaturen in die Werkstatt müssen, werden viele Probleme bei Robotaxis künftig per Update behoben.
Für die Entwicklung selbstfahrender Autos bleibt die wichtigste Erkenntnis: Die Technologie macht Fortschritte, ist aber noch längst nicht perfekt. Gerade komplexe Verkehrssituationen wie Baustellen zeigen, dass der Weg zum vollständig autonomen Straßenverkehr noch einige Herausforderungen bereithält.
(fd)