Sprit- und Strompreisbremse?
Ersparnis bleibt überschaubar
(16.09.2026) Die Bundesregierung hält an Maßnahmen gegen hohe Energiepreise fest. Doch gerade bei der aktuellen Spritpreisbremse lohnt sich ein Blick auf die tatsächliche Entlastung: Fix sind derzeit nur noch 1,9 Cent weniger Mineralölsteuer pro Liter. Durch die darauf entfallende Umsatzsteuer ergibt das für Autofahrer rechnerisch rund 2,28 Cent pro Liter an der Zapfsäule. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sind das gerade einmal 1,14 Euro Ersparnis. Ob selbst diese Regelung nach Ende September weitergeführt wird, will die Regierung erst gegen Monatsende entscheiden.
Aus 10 Cent wurden 2,28 Cent pro Liter
Besonders deutlich wird die geringe aktuelle Entlastung beim Vergleich mit dem Start der Spritpreisbremse. Im April hatte die Regierung die Maßnahme noch mit einer Preissenkung von insgesamt 10 Cent pro Liter angekündigt. Damals kamen fünf Cent über eine Senkung der Mineralölsteuer und weitere fünf Cent über einen Eingriff bei den Krisenmargen zustande. Inzwischen ist der Margeneingriff ausgesetzt und die Mineralölsteuersenkung auf 1,9 Cent pro Liter reduziert worden. Übrig bleibt damit als unmittelbar bezifferbare Entlastung nur ein Bruchteil der ursprünglich angekündigten zehn Cent.
Aktuelle fixe Entlastung beim Tanken:
- 1 Liter: rund 2,28 Cent
- 50 Liter: rund 1,14 Euro
- 60 Liter: rund 1,37 Euro
Daneben gilt noch die sogenannte Preis-Runter-Garantie: Sinkende internationale Großhandelspreise für Diesel und Benzin müssen rasch an den Zapfsäulen weitergegeben werden. Dieser Effekt hat allerdings keinen fixen Cent-Betrag und hängt von der Entwicklung am Markt ab. Eine Begrenzung der Gewinnmargen gibt es derzeit nicht.
Bei mehr als zwei Euro pro Liter kaum spürbar
Wie klein die fixe Entlastung im Verhältnis zum aktuellen Spritpreis ist, zeigen die Zahlen der E-Control. Der österreichweite Median lag zuletzt bei 2,219 Euro pro Liter Diesel und 1,944 Euro für Super 95. Die rechnerischen 2,28 Cent Entlastung entsprechen damit nur ungefähr einem Prozent des aktuellen Literpreises. Bei 50 Litern Diesel kostet die Tankfüllung bei diesem Preis rund 111 Euro – die fixe Steuerentlastung beträgt davon rund 1,14 Euro.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) bezeichnete das bisherige Vorgehen dennoch als bewährt und verweist auf Österreichs Spritpreise im internationalen Vergleich. Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) warnt gleichzeitig vor den Folgen internationaler Krisen und steigender Ölpreise und fordert, dass Energiekonzerne einen Teil der Entlastungsmaßnahmen finanzieren.
Verlängerung der Spritpreisbremse noch offen
Die derzeitige Regelung läuft mit 30. September 2026 aus. Ob sie im Oktober verlängert oder verändert wird, will die Bundesregierung erst gegen Ende des Monats anhand der Marktentwicklung entscheiden. Damit wissen Autofahrer derzeit noch nicht, ob die ohnehin nur 2,28 Cent pro Liter ausmachende fixe Entlastung im kommenden Monat überhaupt bestehen bleibt. Das Wirtschaftsministerium hatte die Mineralölsteuersenkung zuletzt ausdrücklich nur bis Ende September verlängert.
Neuer Strompreisdeckel klingt größer, greift aber derzeit nicht
Parallel dazu bringt die Bundesregierung einen neuen Strompreisdeckel für Energiekrisen auf den Weg. Steigt der durchschnittliche Arbeitspreis der relevanten Stromtarife auf mehr als 16,5 Cent netto pro Kilowattstunde, soll der Energiepreis auf 10 Cent netto je kWh begrenzt werden. Die Entlastung soll direkt auf der Stromrechnung berücksichtigt werden, ohne dass Haushalte einen Antrag stellen müssen.
Doch auch hier gibt es für private Konsumenten einen entscheidenden Haken: Der Deckel wird nur aktiviert, wenn gleichzeitig der maßgebliche Großhandelspreis über einen längeren Zeitraum mehr als 165 Euro pro Megawattstunde beträgt. Die E-Control soll die Voraussetzungen monatlich kontrollieren. Die Regierung hatte bereits bei der Präsentation des Mechanismus festgelegt, dass beide Bedingungen erfüllt sein müssen.
Strompreis liegt derzeit unter der Krisenschwelle
Aktuell sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt. Nach den von der Regierung genannten Werten liegt der durchschnittliche Haushaltsenergiepreis bei rund 14 Cent netto pro kWh und damit unter der Schwelle von 16,5 Cent. Auch am Großhandelsmarkt liegt das Preisniveau deutlich unter den für den Krisenmechanismus vorgesehenen 165 Euro pro MWh. Der von der E-Control für das dritte Quartal 2026 veröffentlichte Marktpreis beträgt beispielsweise 109,23 Euro pro MWh.
Der angekündigte 10-Cent-Strompreis ist für Haushalte damit keine aktuelle Preissenkung, sondern ein Sicherheitsmechanismus für eine mögliche neue Energiekrise. Und selbst wenn er aktiviert wird, beziehen sich die zehn Cent nur auf den Energiepreis – nicht automatisch auf die komplette Stromrechnung samt Netzkosten, Abgaben und Steuern.
Für die Industrie stehen 250 Millionen Euro jährlich bereit
Gleichzeitig werden die Unterstützungen für energieintensive Unternehmen deutlich ausgeweitet. Ab 2027 sind dafür 250 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Das Standortabsicherungsgesetz soll erweitert werden, zusätzlich kommt ein eigener Industriestrompreis. Für bis zu 50 Prozent des Stromverbrauchs begünstigter Unternehmen kann der Strompreis dabei auf bis zu fünf Cent pro kWh reduziert werden. Die 250 Millionen Euro jährlich sind für die Jahre 2027 bis 2029 budgetär vorgesehen.
Nach den aktuellen Plänen soll das sogenannte SAG+ von rund 60 auf 120 Unternehmen ausgeweitet werden. Über den Industriestrompreis sollen weitere rund 400 Betriebe Unterstützung erhalten. Firmen, die mehr als zwei Millionen Euro Förderung bekommen, sollen zudem höchstens zehn Prozent ihrer Beschäftigten pro Jahr abbauen dürfen, andernfalls wird die Förderung reduziert.
Für private Haushalte vorerst vor allem ein Sicherheitsnetz
Für Konsumenten bleibt damit vor allem die Frage, was jetzt tatsächlich im Geldbörsel ankommt. Beim Tanken lässt sich das derzeit sehr konkret beantworten: Die fixe Steuerentlastung entspricht rechnerisch 2,28 Cent pro Liter beziehungsweise nur 1,14 Euro bei einer 50-Liter-Tankfüllung. Der zusätzliche Effekt der Preis-Runter-Garantie lässt sich nicht als fixer Rabatt beziffern. Beim Strom greift der neue 10-Cent-Deckel wiederum aktuell überhaupt nicht, weil die vorgesehenen Krisenschwellen nicht erreicht werden.
Die Regierung schafft damit vor allem Instrumente für einen neuerlichen starken Anstieg der Energiepreise. Für private Konsumenten ist die unmittelbare zusätzliche Entlastung derzeit dagegen überschaubar – besonders deutlich zeigt das die Spritpreisbremse mit ihren aktuell nur rund 2,28 Cent pro Liter.
(fd/apa)