USA warnen Russland

Kreml: " Schauergeschichten"

(27.08.2026) CIA-Direktor John Ratcliffe hat Russland bei seinem überraschenden Besuch in Moskau offenbar eindringlich vor einem Angriff auf NATO-Staaten gewarnt. Besonders im Fokus standen nach mehreren US-Medienberichten Estland, Lettland und Litauen. Gleichzeitig soll Washington den Kreml aufgefordert haben, seine militärische und finanzielle Unterstützung für den Iran zurückzufahren.

Ratcliffe war am Dienstag, 25. August 2026, unangekündigt nach Moskau gereist. Der Besuch war der erste öffentlich bekannte Aufenthalt eines CIA-Direktors in Russland seit 2021. Nach Angaben des russischen Auslandsgeheimdienstes SVR traf Ratcliffe dessen Chef Sergej Naryschkin. Ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin gab es laut Kreml nicht.

Warnung vor Angriff auf Estland, Lettland und Litauen

Nach Informationen des Wall Street Journal, von CBS News und weiteren Medien war das zentrale Thema der Reise die Sorge der US-Regierung, Russland könnte versuchen, die Entschlossenheit der NATO mit einem begrenzten Angriff oder einer anderen militärischen Eskalation zu testen.

Besonders genannt werden dabei die drei baltischen NATO-Staaten Estland, Lettland und Litauen. Die US-Geheimdienste sollen demnach Szenarien prüfen, die von Cyberangriffen und hybriden Aktionen bis zu begrenzten militärischen Vorstößen reichen könnten.

Wichtig: Es gibt derzeit keine öffentlich bestätigte Information, dass Russland bereits einen konkreten Angriff auf einen NATO-Staat beschlossen hat. Die Berichte beziehen sich auf US-Geheimdiensteinschätzungen und die Sorge, Moskau könnte die Reaktionsfähigkeit des Bündnisses testen.

Russland soll auch Unterstützung für Iran reduzieren

Ratcliffe soll bei seinen Gesprächen außerdem gefordert haben, dass Russland seine militärische und finanzielle Unterstützung für den Iran reduziert. Russland unterstützt Teheran seit Jahren politisch und militärisch und soll dem Iran auch geheimdienstlich helfen. Das Thema ist für Washington angesichts des aktuellen Iran-Konflikts besonders brisant.

CIA-Chef traf russischen Geheimdienstchef Naryschkin

Russlands Auslandsgeheimdienstchef Sergej Naryschkin bestätigte das Treffen inzwischen offiziell. Er spielte dessen Bedeutung allerdings herunter. Es habe sich um ein normales „Arbeitsformat“ gehandelt. Besprochen worden seien Themen, die in den Zuständigkeitsbereich der Geheimdienste fielen. Einzelheiten nannte Naryschkin nicht. Nach Angaben Naryschkins seien direkte oder virtuelle Treffen mit Leitern anderer Geheimdienste grundsätzlich nichts Außergewöhnliches.

Ratcliffe offenbar über Riga nach Moskau geflogen

Weitere Details gibt es inzwischen auch zur Reise selbst. Flugdaten zufolge flog eine C-17A Globemaster III der US Air Force am Dienstag von Riga in Lettland nach Moskau-Wnukowo. Das Flugzeug war zuvor aus dem Raum Washington nach Europa gekommen und kehrte am selben Abend wieder nach Riga zurück. Nach Angaben ukrainischer und US-naher Quellen soll Washington Kiew im Vorfeld über die Reise informiert und die Ukraine gebeten haben, während des Aufenthalts der US-Delegation bestimmte Angriffe auf Ziele in oder nahe Moskau auszusetzen.

Putin wurde offenbar über Gespräche informiert

Ratcliffe selbst traf Putin nach Angaben des Kreml nicht. Laut US-Medien soll der russische Präsident aber anschließend über die Gespräche informiert worden sein.

Kreml spricht von westlichen „Schauergeschichten“

Kremlsprecher Dmitri Peskow wies Berichte über mögliche russische Angriffsvorbereitungen gegen NATO-Staaten zurück. Solche Darstellungen seien „Schauergeschichten“ und hätten nichts mit der Realität zu tun. Russland wolle seine Ziele nach Möglichkeit mit friedlichen Mitteln erreichen, werde seinen Krieg gegen die Ukraine aber fortsetzen, erklärte der Kreml. Peskow warf zugleich europäischen Staaten aggressives Verhalten gegenüber Russland vor.

Bemerkenswert ist allerdings die historische Parallele: Auch vor der russischen Invasion der Ukraine am 24. Februar 2022 hatte Moskau westliche Warnungen vor einem bevorstehenden Angriff wiederholt als unbegründete Panikmache zurückgewiesen.

Trump nennt Moskau-Reise „semi-routine“

US-Präsident Donald Trump bestätigte Ratcliffes Aufenthalt in Moskau, spielte die politische Bedeutung öffentlich jedoch herunter. Die Reise sei „eine Art Semi-Routine“ gewesen. Trump bestritt zudem, dass Ratcliffes Besuch unmittelbar mit einem möglichen russischen Angriff auf die NATO oder dem Iran-Konflikt zusammenhing. Er verwies stattdessen auf das Ziel seiner Regierung, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden.

Warum die USA offenbar besorgt sind

Nach Informationen des Wall Street Journal beruhen die Warnungen auf neuen US-Geheimdiensteinschätzungen. Demnach besteht die Sorge, dass Putin unter dem Druck des stockenden Ukraine-Kriegs und angesichts einer möglichen Schwächung westlicher Munitionsbestände versuchen könnte, die NATO mit einer begrenzten Aktion auf die Probe zu stellen. Denkbare Szenarien reichen laut dem Bericht von Cyberattacken bis hin zu kleineren militärischen Vorstößen – insbesondere im Baltikum. Das würde unmittelbar die zentrale Beistandsverpflichtung der NATO berühren: Artikel 5 des Nordatlantikvertrags sieht vor, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle Bündnispartner betrachtet wird.

(fd/apa)

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