Vater tötet 6 Menschen
Sorgerechtsstreit?
(30.06.2026) Nach den tödlichen Schüssen in einer Mutter-Kind-Einrichtung im niedersächsischen Stade verdichten sich die Hinweise auf das Motiv des mutmaßlichen Täters. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass ein Sorgerechtsstreit Auslöser der Tat war. Bei dem Angriff wurden sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Jugendhilfeeinrichtung und des Jugendamts getötet. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung, darunter mehrere Mütter mit ihren Kindern, blieben unverletzt.
Schüsse während Gesprächs über Sorgerecht
Nach Angaben der Polizei ereignete sich die Tat am Montag gegen 12.10 Uhr in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade. Dort war ein Gespräch über das Sorgerecht für die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Täters angesetzt. Der 45-jährige Mann soll während des Treffens plötzlich eine Schusswaffe gezogen und das Feuer eröffnet haben. Die sechs Todesopfer waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des privaten Trägers der Einrichtung sowie des zuständigen Jugendamts, die an dem Termin teilnahmen.
Kind und Mutter bleiben unverletzt
Das drei Monate alte Mädchen sowie seine 34-jährige Mutter befanden sich ebenfalls in der Einrichtung. Beide überlebten den Angriff unverletzt. Das Kind wurde nach der Tat in die Obhut des Jugendamts übergeben.
Nach Informationen der Ermittler war das Mädchen zuvor zeitweise aus der Familie genommen worden. Unter Auflagen durfte es zur Mutter zurückkehren, allerdings nicht an deren bisherigen Wohnort, sondern in die betreute Mutter-Kind-Einrichtung in Stade.
Täter auf der Flucht festgenommen
Unmittelbar nach der Tat flüchtete der Verdächtige mit einem Auto. Die Polizei stoppte das Fahrzeug wenig später, indem Einsatzkräfte die Reifen zerschossen. Der 45-Jährige wurde festgenommen. Am Steuer saß eine 65-jährige Frau aus seinem erweiterten Familien- oder Bekanntenkreis, die ebenfalls vorübergehend in Gewahrsam genommen wurde.
Der Mann lebt im Raum Hannover, besitzt die türkische Staatsangehörigkeit und war der Polizei bereits wegen Bedrohungsdelikten bekannt. Eine Waffenbesitzkarte besaß er nach Angaben der Ermittler nicht. Die mutmaßliche Tatwaffe wurde sichergestellt.
Polizei: Keine Hinweise auf politisches Motiv
Die Ermittlungsbehörden betonen, dass es derzeit keine Hinweise auf politische oder terroristische Hintergründe gibt. Auch Spekulationen über eine mögliche Clan-Verbindung wiesen Polizei und Staatsanwaltschaft zurück.
Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens sprach von einer "kaltblütigen" Tat mit familiärem Hintergrund. Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das persönliche Umfeld des Verdächtigen und den eskalierten Sorgerechtsstreit.
Große Trauer nach der Gewalttat
Die Tat hat bundesweit Entsetzen ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich erschüttert und würdigte die getöteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Menschen helfen und schützen wollten. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus.
(fd)