Wehr- und Zivildienst neu
Koalition einig, Votum offen
(22.09.2026) Die geplante Wehrpflicht-Reform in Österreich nimmt konkrete Formen an. Die Bundesregierung hat sich sowohl beim Präsenzdienst als auch beim Zivildienst auf ein gemeinsames Modell verständigt. Künftig soll der Wehrdienst insgesamt neun Monate umfassen. Beim Zivildienst bleibt es zunächst bei neun Monaten – allerdings könnte dieser automatisch auf elf Monate verlängert werden, wenn sich nicht genügend junge Männer für den Präsenzdienst entscheiden.
Neu ist vor allem eine Regelung für diese zusätzlichen zwei Monate beim Zivildienst: Sie müssen nicht zwingend unmittelbar an die bisherigen neun Monate angehängt werden. Betroffene sollen zwischen drei verschiedenen Varianten wählen können – darunter erstmals auch die Möglichkeit, die zusätzliche Zeit durch 400 Stunden ehrenamtliche Tätigkeit innerhalb von fünf Jahren zu ersetzen.
Präsenzdienst wird auf insgesamt neun Monate verlängert
Beim österreichischen Bundesheer hatte sich die Koalition bereits zuvor auf das grundlegende Modell verständigt. Die bisherige sechsmonatige Grundausbildung soll um insgesamt drei Monate ergänzt werden.
Direkt an die sechs Monate Grundwehrdienst soll zunächst ein weiterer Monat mit Übungen anschließen. Die verbleibenden zwei Monate werden als verpflichtende Milizübungen zu einem späteren Zeitpunkt absolviert.
Damit kommt Österreich künftig auf insgesamt neun Monate Wehrdienst, wobei nicht die gesamte Zeit unmittelbar hintereinander geleistet werden muss.
Ziel der Reform ist es, Soldaten nach der Grundausbildung stärker in die Miliz einzubinden und militärische Fähigkeiten regelmäßig aufzufrischen.
Zivildienst bleibt zunächst bei neun Monaten
Für den Zivildienst in Österreich ist zunächst keine automatische Verlängerung für alle vorgesehen. Er soll grundsätzlich weiterhin neun Monate dauern.
Allerdings wurde eine sogenannte Wehrdienst-Garantie vereinbart. Entscheidend ist dabei, wie viele junge Männer tatsächlich zum Bundesheer gehen.
Sinkt die Zahl der Grundwehrdiener innerhalb eines Jahres unter 13.875, soll der Zivildienst ab dem darauffolgenden Jahr verpflichtend von neun auf elf Monate verlängert werden.
Damit soll verhindert werden, dass eine attraktivere Ausgestaltung des Bundesheeres oder andere Veränderungen zu starken Verschiebungen zwischen Wehr- und Zivildienst führen.
Drei Möglichkeiten für zwei zusätzliche Zivildienst-Monate
Sollte der Zivildienst von neun auf elf Monate steigen, gibt es drei Varianten: elf Monate durchgehend, die zusätzlichen zwei Monate später bei derselben Organisation oder 400 Stunden Ehrenamt innerhalb von fünf Jahren. Damit sollen erworbene Kenntnisse etwa bei Rettungs-, Pflege- oder Sozialeinrichtungen länger genutzt werden.
Verpflichtende Ausbildung und weniger Ersatzdienste
Für alle Zivildiener soll künftig eine verpflichtende Ausbildung mit einheitlichen Standards und Mindestdauern gelten. Gleichzeitig wird die Anrechnung eines Freiwilligen Sozialen Jahres eingeschränkt: Maximal ein Prozent der Stellungspflichtigen, derzeit rund 360 Personen jährlich, sollen diese Möglichkeit nutzen können. Voraussetzung sind zwölf Monate Vollzeit mit 40 Wochenstunden oder insgesamt 2.000 Stunden.
Finanzierung gilt als gesichert
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) sieht die Finanzierung der Wehrpflicht-Reform als weitgehend abgesichert. Zusätzliche Kosten entstehen vor allem durch die längere Ausbildung, Milizübungen und bessere Leistungen für Grundwehrdiener.
1.000 Euro für Grundwehrdiener
Grundwehrdiener sollen künftig 1.000 Euro pro Monat sowie erstmals Urlaubstage erhalten. Die Grünen fordern eine entsprechende finanzielle Verbesserung auch für Zivildiener.
Zwei-Drittel-Mehrheit nötig
Die Reform ist noch nicht endgültig beschlossen. Änderungen beim Zivildienst benötigen eine Zwei-Drittel-Mehrheit, weshalb die Koalition auf Unterstützung von FPÖ oder Grünen angewiesen ist. Gespräche mit beiden Parteien sind vorgesehen.
Das soll sich konkret ändern
Beim Bundesheer sind künftig sechs Monate Grundwehrdienst, ein anschließender Übungsmonat und zwei weitere Monate Milizübungen vorgesehen.
Der Zivildienst bleibt zunächst bei neun Monaten. Sinkt die Zahl der Grundwehrdiener unter 13.875 pro Jahr, soll er ab dem Folgejahr auf elf Monate steigen. Die zusätzlichen zwei Monate könnten dann auch durch 400 Stunden Ehrenamt innerhalb von fünf Jahren ersetzt werden.
(fd/apa)