Wespensaison vor Höhepunkt
Heuer optimale Bedingungen
(28.08.2026) Die Wespensaison erreicht im August und Anfang September ihre natürliche Spitze. Bei Menschen mit Insektengiftallergie kann ein Stich im Extremfall lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Die Gefahr werde jedoch oft unterschätzt, berichtete Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums Reumannplatz in Wien-Favoriten und der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Univ.-Hautklinik Graz im Gespräch mit der APA. Stiche seien für Allergiker "potenziell lebensgefährlich".
In Österreich sterben laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) sieben Menschen pro Jahr an Insektenstichen. Erst kürzlich starb in Oberösterreich ein 32-Jähriger nach einem Hornissenstich, weil er seinen Adrenalin-Pen nicht in greifbarer Nähe gehabt haben dürfte.
Laut Sturm bestehe aber durchaus die Möglichkeit, Todesfälle zu verhindern. Der Experte verwies etwa auf eine Immuntherapie, mit der man innerhalb von ein paar Wochen geschützt sei. "Da gibt es eine fast 100-Prozent-Erfolgsrate." Die Immuntherapie werde von der Krankenkasse übernommen, man brauche nur etwas Zeit dafür. Notwendig seien "sieben Wochen zum Aufimpfen" - mit einer Impfung pro Woche. In der Erhaltungsphase, die nach der Aufdosierungsphase drei bis fünf Jahre dauert und dazu dient, den Impfschutz langfristig abzusichern, wird einmal pro Monat eine Dosis verabreicht. Laut Sturm eine "superwirksame Therapie mit wenig Nebenwirkungen". Ein Notfallset mit einem Adrenalin-Pen sei immer nur eine Notlösung, aber besser als nichts, so der Fachmann.
Diesjährige Bedingungen für Wespen optimal
Im Spätsommer und im Herbst sind die Wespenpopulationen am größten. Früher in der Saison brauchen die Wespen vor allem Proteine, um ihre Larven zu versorgen. Daher mögen sie besonders gerne Fleisch und besuchen so manche Grillerei im Garten. Im Moment schwenken sie um auf Süßes - sie fliegen besonders auf Kuchen, Säfte und andere süße Getränke. Damit versorgen sie sich selbst mit energiereichem Zucker. Laut Sturm waren die Bedingungen heuer optimal für Wespen, denn Hitze und Trockenheit begünstigen die Entwicklung von Wespenvölkern.
Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Wespenarten, nur zwei davon würden sich laut Sturm den Menschen nähern - nämlich die Deutsche Wespe (Vespula germanica) und die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris). Beide hätten derzeit recht große Populationen, so der Mediziner. Seltener begegne man Hornissen, diese seien friedlich und auch nachts aktiv. Wespen- und Hornissengift sei jedoch relativ ident. Bienen hätten eine leicht höhere Giftdosis, so Sturm. "Ein Hornissenstich ist aber nicht gefährlicher als ein Wespenstich", räumte der Experte mit falschen Geschichten auf.
Allergie frühestens ab dem zweiten Stich
All jene, die noch nie von einer Biene, Wespe oder Hornisse gestochen worden sind, und daher nicht wüssten, ob sie allergisch sind oder nicht, beruhigte Sturm. "Wenn man noch nie gestochen worden ist, kann man noch keine Allergie haben", so der Arzt. Eine Allergie trete frühestens beim zweiten Stich auf, erklärte er. Und auch unter Allergikern gäbe es Abstufungen. Manche hätten nach einem Insektenstich gesteigerte lokale Reaktionen, die meist eine Woche lang bleiben. "Aber wenn man nur mit der Haut reagiert, muss man keinen Pen haben", empfiehlt Sturm. Gefährlicher werde es, wenn die Symptome den Kreislauf betreffen und es etwa zu Atemnot komme. "Gefährliche Reaktionen treten meistens in den ersten zehn Minuten auf", so Sturm. Bei allergischen Reaktionen sollte man auf jeden Fall Notfallmedikamente nehmen, rät der Mediziner.
Jedem, der eine mittelschwere bis schwere Insektengiftallergie hat, empfiehlt Sturm eine Immuntherapie. Und noch ein Tipp: Allergiker sollten während der Saison nicht im Freien essen oder barfuß in der Wiese herumgehen. "Also ich würde im Moment nicht untherapiert draußen sitzen und essen", so Sturm.
(apa/mc)