Bekennerschreiben zu Anschlag
Kraftwerk in Brandenburg
(03.09.2026) Nach dem Anschlag auf ein Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg ist bei der Polizei ein Bekennerschreiben eingegangen. Die Ermittler prüfen derzeit, ob das Schreiben tatsächlich von den Tätern stammt. Eine Bestätigung gibt es bislang nicht. Die Polizei erklärte am Donnerstag ausdrücklich, die Authentizität könne derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
Polizei prüft Bekennerschreiben
Das Schreiben steht nach Angaben der Polizei Brandenburg in direktem Zusammenhang mit dem Anschlag in Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße. Inhalt, mögliche Urheber oder politische Forderungen wurden nicht veröffentlicht. Die Ermittler begründen das mit ermittlungstaktischen Gründen.
Damit gibt es erstmals einen möglichen Hinweis auf die Täter oder deren Motiv. Ob das Bekennerschreiben echt ist oder möglicherweise bewusst falsche Spuren legen soll, ist allerdings offen.
Täter wollten offenbar einen größeren Stromausfall auslösen
Der Anschlag selbst ereignete sich am Dienstag, 1. September 2026. Unbekannte hatten mehrere selbst gebaute Flugkörper in der Nähe des Umspannwerks eingesetzt. Nach bisherigen Erkenntnissen sollten damit leitfähige Materialien in Höchstspannungsleitungen geschossen werden, um gezielt Kurzschlüsse auszulösen. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann sprach von einer zweistelligen Zahl gefundener Vorrichtungen. In mindestens zwei Fällen gelang es tatsächlich, Kurzschlüsse zu verursachen. Einen großflächigen Blackout gab es jedoch nicht.
Kraftwerksblock fiel kurzzeitig aus
Der Angriff blieb trotzdem nicht ohne Folgen. Nach Angaben des Kraftwerksbetreibers LEAG kam es zu einem technischen Ausfall von Block B des Kraftwerks Jänschwalde. Ob der Ausfall unmittelbar durch den Anschlag verursacht wurde, wurde zunächst noch geprüft. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz meldete zudem eine kurzzeitige Unterbrechung einer Leitung. Die allgemeine Stromversorgung war laut Betreiber jedoch zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Das Umspannwerk ist von besonderer Bedeutung, weil dort Strom aus dem Kraftwerk Jänschwalde in das überregionale Übertragungsnetz eingespeist wird.
Der Fall wird von den Sicherheitsbehörden besonders ernst genommen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Störung öffentlicher Betriebe, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel. Zusätzlich laufen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung nach Paragraf 129a des deutschen Strafgesetzbuches.
Große Polizeikräfte durchsuchten das Gebiet rund um Turnow-Preilack nach weiteren Vorrichtungen und Beweismitteln. Dabei wurden Straßen zeitweise gesperrt.
Parallelen zu weiterem Angriff bei Köln
Besonders brisant: Am selben Tag gab es auch an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln einen mutmaßlichen Sabotageakt. Auch dort fanden Ermittler Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik. Leitfähige Kabel sollen eingesetzt worden sein, um Kurzschlüsse an Stromleitungen zu erzeugen. Die Behörden prüfen deshalb mögliche Zusammenhänge zwischen den Fällen.
Ein Zusammenhang ist bislang aber nicht nachgewiesen.
Wer steckt hinter dem Angriff?
Die Ermittler legen sich derzeit auf keine bestimmte Tätergruppe fest. Brandenburgs Innenminister Redmann hatte bereits vor Bekanntwerden des Bekennerschreibens erklärt, sowohl ein linksextremistischer Hintergrund als auch eine mögliche Einflussnahme durch ausländische Akteure werde geprüft. Konkrete Beweise für eine dieser Varianten liegen bislang nicht öffentlich vor.
Das nun aufgetauchte Bekennerschreiben könnte für die Ermittler deshalb entscheidend werden. Zunächst müssen allerdings Sprache, Inhalt, technische Details und mögliche Insiderinformationen geprüft werden, bevor sich daraus Rückschlüsse auf die Urheber ziehen lassen.
Anschlag rückt Schutz kritischer Infrastruktur in den Fokus
Der Angriff zeigt erneut, wie sensibel Stromnetze und andere kritische Infrastruktur auf gezielte Sabotage reagieren können. Obwohl ein großflächiger Stromausfall diesmal verhindert wurde, wollten die Täter nach Einschätzung der Behörden offenbar genau einen solchen Effekt erreichen.
Entscheidend wird nun sein, ob das Bekennerschreiben authentisch ist und ob sich daraus Hinweise auf Täter, Motiv oder mögliche weitere Anschlagspläne ergeben. Die Polizei kündigte bislang keine weiteren Details an.
(fd/apa)