„Cat in the Hat“
Angst und Schrecken?
(28.09.2026) Eine unheimliche Gestalt mit Katzengesicht und rot-weiß gestreiftem Zylinder steht nachts vor Häusern, schaut durch Fenster oder lauert scheinbar am Straßenrand. Videos und Fotos davon verbreiten sich derzeit auf TikTok, Facebook und Instagram. Angeblich soll der „Cat in the Hat“ durch unterschiedliche Städte ziehen und Menschen verfolgen. Doch hinter einem großen Teil dieser Aufnahmen steckt kein echter Täter, sondern Künstliche Intelligenz.
Was ist der „Cat in the Hat“-Trend?
Die Figur stammt ursprünglich aus dem berühmten Kinderbuch „The Cat in the Hat“ von Dr. Seuss und wurde auch durch die Verfilmung mit Mike Myers aus dem Jahr 2003 bekannt.
Im Sommer 2026 begannen Nutzer auf TikTok, Szenen mit der eigentlich komischen Kinderbuchfigur in düstere und verstörende Videos umzuwandeln. Aus zunächst harmlosen Horror-Memes entwickelte sich schließlich eine Art digitale Schauergeschichte.
Mit KI-generierten Bildern und Videos wurde die Katze plötzlich in dunklen Einfahrten, auf Straßen, vor Haustüren oder vor Fenstern dargestellt.
Millionen sehen vermeintliche Sichtungen auf TikTok
Der Trend verbreitete sich innerhalb weniger Wochen rasant. Einzelne Videos erreichten Millionen Aufrufe. Besonders glaubwürdig wirken die Aufnahmen, weil sie absichtlich wie schlechte Handyvideos, Überwachungskameras oder Aufnahmen einer Videotürklingel aussehen.
Die Bilder sind dunkel, teilweise verwackelt und verrauscht. Genau das macht sie für viele Betrachter glaubwürdig.
Häufig steht zusätzlich ein Ortsname dabei. Dann heißt es beispielsweise, die Figur sei angeblich in einer bestimmten Stadt oder Wohngegend gesehen worden.
Ein Ortsname macht ein Video noch lange nicht echt
Genau hier liegt einer der wichtigsten Tricks des Trends. Viele Aufnahmen werden mehrfach verwendet und lediglich mit einem anderen Ortsnamen versehen.
Dass bei einem Video etwa „Wien“, „Salzburg“, „Graz“ oder eine andere Stadt eingeblendet wird, würde deshalb noch lange nicht bedeuten, dass die Aufnahme tatsächlich dort entstanden ist.
Faktenchecker konnten mehrere Bilder zurückverfolgen, die bereits Wochen zuvor in völlig anderen Ländern verbreitet worden waren.
Polizei musste klarstellen: Viele Aufnahmen sind KI
Der Trend wurde so groß, dass sich schließlich auch Polizeibehörden in Irland und Großbritannien einschalteten.
Dort waren zahlreiche angebliche Sichtungen aufgetaucht. Die Behörden stellten klar, dass viele davon mit künstlicher Intelligenz erzeugt worden waren und keine reale Person zeigten, die nachts durch Wohngebiete streifte.
Teilweise veröffentlichten Polizeistellen sogar selbst Beispielbilder, um zu zeigen, wie überzeugend solche KI-Aufnahmen inzwischen aussehen können.
Aus dem Fake wurden allerdings echte Nachahmer
Ganz so einfach ist die Geschichte inzwischen allerdings nicht mehr. Denn nachdem der KI-Trend viral gegangen war, begannen offenbar auch echte Menschen, sich als „Cat in the Hat“ zu verkleiden.
Einige Videos zeigen tatsächlich Personen in entsprechenden Kostümen, die tanzen, durch Straßen laufen oder sich filmen lassen.
Damit entsteht ein neues Problem: Nicht jedes neue Video ist automatisch KI-generiert.
Realer Vorfall: Frau fühlt sich von verkleideter Person bedroht
Besonders deutlich wurde das bei einem Vorfall im deutschen Coswig in Sachsen-Anhalt.
Dort meldete eine Frau der Polizei, dass eine Person in einem Katzenkostüm vor ihrem Wohnhaus gestanden habe. Die verkleidete Person soll einen Knüppel bei sich gehabt und längere Zeit vor dem Gebäude gewartet haben.
Die Polizei leitete Ermittlungen ein. Wer hinter der Verkleidung steckte und ob tatsächlich eine Straftat beabsichtigt war oder es sich um einen extrem schlechten Scherz handelte, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Damit zeigt der Fall allerdings: Ein Trend, der ursprünglich hauptsächlich aus KI-Fakes bestand, kann reale Nachahmer hervorbringen.
Gibt es den „Cat in the Hat“-Trend auch in Österreich?
Auf österreichischen Social-Media-Feeds können die Videos natürlich genauso auftauchen wie in anderen Ländern. Einen bestätigten österreichischen Polizeifall, bei dem eine verkleidete „Cat in the Hat“-Person Menschen verfolgt oder bedroht hätte, gibt es nach aktuellem Stand jedoch nicht.
Sollte künftig ein Video mit einem österreichischen Ortsnamen auftauchen, ist deshalb Vorsicht angebracht.
Eine Einblendung wie „Achtung Wien“ oder „Sperrt eure Türen in Graz“ ist kein Beweis dafür, dass dort tatsächlich etwas passiert ist.
Warum wirken die KI-Bilder so überzeugend?
Die neuesten KI-Werkzeuge können inzwischen nicht nur perfekte Hochglanzbilder erzeugen. Sie können ganz bewusst Aufnahmen simulieren, die schlecht aussehen sollen.
Unscharfe Gesichter, schlechte Beleuchtung, Bewegungsunschärfe, Regen, eine Videotürklingel oder ein scheinbar zufällig gefilmtes Handyvideo lassen eine Aufnahme oft sogar authentischer erscheinen.
Gerade bei Nachtaufnahmen fallen typische KI-Fehler außerdem deutlich weniger auf.
Das Prinzip kennt man bereits von früheren Gruseltrends
Virale Horrorgeschichten im Internet sind nicht neu. In der Vergangenheit sorgten unter anderem „Momo“, der sogenannte Grusel-Goofy oder die weltweiten Horror-Clown-Sichtungen für Aufregung.
Der Unterschied im Jahr 2026: Durch generative KI kann heute nahezu jeder innerhalb weniger Minuten scheinbare Foto- oder Videobeweise produzieren.
Aus einer erfundenen Geschichte wird dadurch deutlich schneller eine scheinbar glaubwürdige „Sichtung“.
Wann sollte man tatsächlich die Polizei verständigen?
Ein KI-Bild allein ist kein Grund für einen Polizeieinsatz. Anders sieht es aus, wenn tatsächlich eine Person Menschen verfolgt, bedroht, vor einem Haus wartet oder eine Waffe beziehungsweise einen gefährlichen Gegenstand trägt.
Dann geht es nicht mehr um einen Internettrend, sondern möglicherweise um eine reale Gefährdung.
In Österreich ist die Polizei unter 133, der europäische Notruf unter 112 erreichbar.
Faktencheck: Ist „Cat in the Hat“ wirklich unterwegs?
Die Behauptung, eine mysteriöse „Cat in the Hat“-Gestalt ziehe systematisch durch Städte und terrorisiere Bewohner, ist irreführend.
Der überwiegende Teil der bekannten Bilder und Videos besteht aus KI-generierten Aufnahmen, alten Bildern oder Material mit nachträglich hinzugefügten Ortsnamen.
Gleichzeitig hat die enorme Reichweite des Trends mittlerweile reale Nachahmer hervorgebracht.
Der wichtigste Rat lautet deshalb: Nicht jedes Video glauben, Ortsangaben überprüfen und Gruselaufnahmen nicht ungeprüft weiterverbreiten. Denn gerade beim „Cat in the Hat“-Trend zeigt sich, wie schnell aus einem KI-Fake eine vermeintlich reale Warnmeldung werden kann.
(fd/mimikama.org)