Gletscherbruch in Nepal

Hitze verantwortlich?

(08.09.2026) Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal und Tibet mit mittlerweile rund 1.400 bestätigten Todesopfern richtet sich der Blick immer stärker auf die Ursache der Katastrophe. Neue Klimadaten zeigen: In den Tagen vor dem Gletscherabbruch am Langtang Lirung war es in mehr als 5.000 Metern Höhe außergewöhnlich warm. Zwischen 21. und 26. August lag die Durchschnittstemperatur auf dem Gletscher bei rund fünf Grad Celsius – so hoch wie in diesem Zeitraum seit mehr als 55 Jahren nicht.

Noch Tausende Menschen vermisst

Der Gletscherabbruch ereignete sich am 26. August 2026 am mehr als 7.000 Meter hohen Langtang Lirung. Eine gewaltige Masse aus Eis und Gestein stürzte rund 1.200 Meter in ein Tal und löste eine Flutwelle aus Wasser, Schlamm und Geröll aus. Diese schoss fast 100 Kilometer flussabwärts und zerstörte Dörfer, Straßen und Wasserkraftwerke.

Die Zahl der bestätigten Todesopfer liegt inzwischen bei etwa 1.400. Allein in Nepal wurden mehr als 1.350 Tote geborgen, in Tibet starben nach offiziellen Angaben mindestens 43 Menschen. Tausende weitere Menschen gelten weiterhin als vermisst.

Fünf Grad auf 5.200 Metern Höhe

Der Klimaforscher Robert Rohde von Berkeley Earth rekonstruierte die Temperaturen am Unglücksort anhand von Copernicus-Daten und Messwerten mehrerer Hochgebirgsstationen. Sein Ergebnis: Zwischen dem 21. und 26. August lagen die Temperaturen auf rund 5.200 Metern Höhe im Schnitt bei etwa fünf Grad.

Zum Vergleich: In mehr als 55 Jahren Messdaten waren in diesem Zeitraum zuvor nie mehr als vier Grad Durchschnittstemperatur erreicht worden. Die Region hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts insgesamt um etwa 1,8 Grad Celsius erwärmt.

Rohde zufolge wäre eine solche Hitze ohne die zusätzliche Erwärmung durch den Klimawandel wahrscheinlich nur extrem selten aufgetreten – möglicherweise lediglich einmal in mehreren tausend Jahren.

Permafrost könnte den Berg destabilisiert haben

Forscher vermuten, dass die außergewöhnliche Wärme mehrere Prozesse gleichzeitig beschleunigt haben könnte. Besonders wichtig ist der Permafrost. Dauerhaft gefrorener Boden wirkt im Hochgebirge teilweise wie eine Art „Eiszement“ und stabilisiert Felsmassen.

Taut dieser Permafrost auf, können Hänge instabil werden. Satellitenbilder zeigten außerdem eine starke Schneeschmelze unmittelbar vor der Katastrophe. Das zusätzliche Schmelzwasser kann in Felsspalten eindringen und dort den Druck erhöhen beziehungsweise Gestein weiter destabilisieren.

Forscher sprechen von möglichem „Kipppunkt“

Trotz der auffälligen Hitze warnen Wissenschaftler vor vorschnellen Schlüssen. Ein direkter Beweis, dass die hohen Temperaturen den Gletscherabbruch ausgelöst haben, liegt bislang nicht vor.

Die Geomorphologin Kristen Cook von der Universität Grenoble Alpes erklärte, Hitze allein führe nicht automatisch zu einem solchen Einsturz. Offenbar sei zusätzlich ein Kipppunkt bei der Stabilität des Berges erreicht worden.

Forscher untersuchen deshalb jetzt frühere Bewegungen im Fels und versuchen herauszufinden, ob sich der Hang über Jahre hinweg schleichend destabilisiert hatte.

Viertwärmster Sommer seit 1970

Auch die längerfristigen Daten sind auffällig. Der Sommer 2026 war in der Langtang-Region der viertwärmste seit Beginn der Copernicus-Datenreihe im Jahr 1970. Der Rekord stammt aus dem Jahr 2024.

Berkeley-Earth-Daten zeigen außerdem, dass die jüngsten Sommer in der Region außergewöhnlich warm waren. Die vier Sommer von 2022 bis 2025 gehörten zu den fünf wärmsten der gesamten verfügbaren Datenreihe.

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Nepal fordert Klimageld

Die Katastrophe hat inzwischen auch eine internationale politische Dimension. Die nepalesische Regierung fordert 20 Millionen Dollar aus dem internationalen Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste. Außenminister Shisir Khanal argumentiert, Nepal verursache weniger als 0,1 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen, sei aber besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen.

Die Schäden der Sturzflut werden inzwischen auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. Zehntausende Häuser und wichtige Verkehrs- und Energieanlagen wurden zerstört oder beschädigt.

(fd/apa)

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