Missbrauchsfall Anna (12)
2 Männer wegen Raub verurteilt
(20.05.2026) Der sogenannte „Fall Anna“ sorgte 2024 österreichweit für Schlagzeilen und heftige Diskussionen. Damals standen zehn Jugendliche und junge Erwachsene wegen mutmaßlicher sexueller Handlungen an einem zwölfjährigen Mädchen vor Gericht. Am Ende wurden alle Angeklagten freigesprochen, weil laut Gericht kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden konnte. Nun mussten sich zwei der damals Freigesprochenen erneut vor Gericht verantworten – diesmal wegen eines brutalen Raubüberfalls in Wien-Simmering.
Gericht spricht von „unnötig brutaler Gewalt“
Laut Gericht lauerten die Täter ihrem Opfer im Juni 2025 in der Garage seines Wohnhauses in Wien-Simmering auf. Die Gruppe wusste offenbar, dass der Supermarktbetreiber regelmäßig größere Bargeldsummen mit sich führte.
Die Angreifer sollen mit Pfefferspray bewaffnet gewesen sein. Anschließend schlugen und traten sie massiv auf den Mann ein – sogar noch, als dieser bereits am Boden lag. Danach raubten sie unter anderem:
- ein Handy
- einen Autoschlüssel
- eine Geldbörse
- rund 4.000 Euro Bargeld
Die Vorsitzende Richterin sprach von einem „unschönen, gewaltsamen Raub“. Besonders kritisch sah das Gericht die massive Gewaltanwendung trotz deutlicher Überzahl der Täter. Man habe das Opfer „unnötigerweise ziemlich zugerichtet“.
Haftstrafen rechtskräftig
Der 21-jährige Hauptangeklagte wurde zu viereinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt. Der 17-Jährige erhielt 32 Monate Haft. Bei ihm wurde zusätzlich eine offene Bewährungsstrafe widerrufen.
Auch die beiden Komplizen müssen ins Gefängnis:
- Ein 23-Jähriger erhielt ebenfalls viereinhalb Jahre Haft.
- Ein 24-jähriger Aufpasser wurde zu drei Jahren teilbedingter Haft verurteilt, zwei Jahre davon bedingt.
Alle Urteile sind bereits rechtskräftig.
Alle Angeklagten geständig
Besonders belastend für die Täter: Alle vier Angeklagten bekannten sich schuldig. Der 21-Jährige wurde laut Gericht durch eine DNA-Spur ausgeforscht und arbeitete anschließend mit der Polizei zusammen.
Vor Gericht erklärte sein Anwalt:
„Da gibt es überhaupt nichts zu diskutieren. Alles, was die Staatsanwaltschaft vorwirft, ist richtig.“
Die Beschuldigten versuchten allerdings teilweise, ihre jeweilige Rolle herunterzuspielen. Der 23-Jährige bestritt etwa, selbst bei den Schlägen aktiv beteiligt gewesen zu sein. Die Richterin reagierte darauf deutlich und warnte ihn davor, sich mit widersprüchlichen Aussagen zusätzlich zu belasten.
Opfer zieht nach Syrien: „Dort fühle ich mich sicherer“
Besonders emotional wurde es bei der Aussage des Opfers. Der 54-jährige Supermarktbetreiber schilderte vor Gericht, wie brutal der Überfall gewesen sei.
„Ich wurde heftig zusammengeschlagen“, sagte der Mann. Selbst als er bereits am Boden lag, hätten die Täter nicht aufgehört. Zudem sei er mit Pfefferspray attackiert worden.
Der Überfall habe sein Leben nachhaltig verändert:
- Der Mann verlor nach eigenen Angaben mehr als 20 Kilogramm Gewicht.
- Er zog inzwischen nach Syrien.
- Für die Aussage reiste er extra wieder nach Wien an.
Sein Satz vor Gericht sorgte für besonderes Aufsehen:
„Ich habe das Gefühl, dass ich dort sicherer leben kann als hier.“
Täter bereits mehrfach vorbestraft
Wie im aktuellen Prozess bekannt wurde, waren zumindest zwei der Täter bereits vorbestraft:
- Der 21-Jährige war schon 2022 wegen schweren Raubes verurteilt worden.
- Der 17-Jährige hatte bereits drei Vorstrafen und sitzt derzeit wegen Urkunden- und Datenfälschung in Haft.
Das Gericht wertete zwar die Geständnisse und das junge Alter der Angeklagten als mildernd. Die massive Gewalt sowie die gezielte Planung des Überfalls führten letztlich dennoch zu langen Haftstrafen.
(fd/apa)