Was hat Putin vor?

EU: Warnung vor Angriffen

(24.09.2026) Die Nervosität in Europa wächst: Der dänische Militärgeheimdienst FE warnt vor einer zunehmenden Gefahr begrenzter russischer Angriffe auf NATO-Staaten, während ein Bericht aus Spanien von möglichen Drohnenoperationen gegen Italien, Frankreich und Spanien spricht. Einen bestätigten Beleg dafür, dass Wladimir Putin einen unmittelbar bevorstehenden Angriff auf diese Länder angeordnet hat, gibt es allerdings nicht. Italiens Verteidigungsminister widerspricht Teilen der aktuellen Berichte ausdrücklich.

Klar ist hingegen: Europäische Sicherheitsbehörden und die NATO beobachten seit Monaten eine Zunahme von Drohnenvorfällen, Luftraumverletzungen und hybriden Aktivitäten, die Russland zugerechnet werden. Die entscheidende Frage lautet daher weniger, ob ein groß angelegter Krieg gegen die NATO unmittelbar bevorsteht, sondern wie weit Moskau bei begrenzten Aktionen gehen könnte, ohne einen offenen Konflikt mit dem Bündnis auszulösen.

Geheimdienst warnt vor begrenztem Angriff auf NATO-Land

Besonders deutlich fällt eine neue Einschätzung des dänischen Verteidigungsnachrichtendienstes FE vom 24. September aus. Demnach besteht ein „geringes, aber wachsendes Risiko“, dass Russland einen begrenzten militärischen Angriff gegen einen oder mehrere NATO-Staaten an seiner Grenze durchführen könnte – und zwar möglicherweise sogar während der Krieg in der Ukraine weiterläuft.

Eine regelrechte russische Invasion eines NATO-Staates hält der Geheimdienst weiterhin für unwahrscheinlich. Ausschließen will er sie aber nicht mehr. Gleichzeitig erwartet der FE, dass Russland seine hybriden Aktivitäten gegen NATO und Westen in den kommenden Monaten weiter verstärken könnte.

Solche begrenzten Aktionen könnten laut FE-Chef Thomas Ahrenkiel beispielsweise einzelne Angriffe mit Drohnen oder Raketen auf Infrastruktur umfassen, die für die Unterstützung der Ukraine eine Rolle spielt. Auch Aktionen unter falscher Flagge oder andere schwer eindeutig zuzuordnende Operationen gehören zu den diskutierten Szenarien.

Berichte über mögliche Drohnenangriffe im Mittelmeer

Noch weiter geht ein Bericht der spanischen Zeitung „El Mundo“. Unter Berufung auf anonyme Geheimdienst- und Verteidigungsquellen heißt es, US-Dienste hätten Hinweise auf eine mögliche russische Drohnenoperation gegen Spanien, Frankreich oder Italien gesammelt und Informationen darüber mit europäischen Regierungen geteilt.

Dem Szenario zufolge könnten kleinere russische Gerbera-Drohnen in Containern auf Handelsschiffen verborgen und vom Mittelmeer aus gestartet werden. Der Drohnentyp erreicht Berichten zufolge eine Reichweite von mehreren hundert Kilometern und kann eine kleinere Sprengladung tragen. Ziel einer solchen Operation könnte weniger eine großflächige Zerstörung als vielmehr die zeitweise Störung eines Flughafens, Hafens oder anderer Infrastruktur sein.

Italien widerspricht: Keine entsprechende Warnung erhalten

Gerade bei diesem Bericht ist allerdings Vorsicht geboten. Die angeblichen US-Geheimdienstinformationen wurden bislang nicht öffentlich von der CIA bestätigt.

Noch deutlicher reagierte Italien. Verteidigungsminister Guido Crosetto erklärte am Donnerstag, die Berichte über bevorstehende russische Drohnenangriffe auf Italien, Spanien und Frankreich seien nicht bestätigt. Nach Angaben italienischer Regierungskreise habe Rom weder über Geheimdienstkanäle noch auf diplomatischer oder militärischer Ebene eine entsprechende operative Warnung erhalten.

Damit stehen derzeit zwei Ebenen nebeneinander: Eine grundsätzlich verschärfte russische Bedrohung wird von mehreren europäischen Diensten und der NATO öffentlich beschrieben. Das konkrete Szenario eines unmittelbar vorbereiteten Drohnenangriffs auf südeuropäische Länder ist dagegen bislang nicht unabhängig bestätigt.

NATO beobachtet mehr Drohnen und hybride Angriffe

Auch die NATO spricht inzwischen von einer verschärften Sicherheitslage. Das Bündnis verweist auf Drohnen- und Raketenereignisse an der Ostflanke, Luftraumverletzungen sowie mutmaßliche hybride Operationen auf europäischem Boden.

NATO-Generalsekretär Mark Rutte erklärte zuletzt, Russland verhalte sich zunehmend riskant. Gleichzeitig mahnt er dazu, auf russische Provokationen nicht mit Panik zu reagieren, sondern Verteidigungsfähigkeit und Unterstützung für die Ukraine aufrechtzuerhalten.

Was könnte Russland damit erreichen wollen?

Über Putins persönliche Absichten lässt sich aus den öffentlich bekannten Informationen keine gesicherte Aussage treffen. Die aktuellen Geheimdienstbewertungen zeichnen aber ein mögliches Muster: Aktionen unterhalb der Schwelle eines großen konventionellen Krieges könnten darauf abzielen, Unsicherheit zu erzeugen, europäische Sicherheitskräfte zu binden, kritische Infrastruktur zu stören und die Unterstützung für die Ukraine politisch schwieriger zu machen.

Ein direkter groß angelegter Angriff auf die NATO wäre für Russland mit dem Risiko verbunden, den Bündnisfall nach Artikel 5 auszulösen. Gerade deshalb konzentrieren sich viele Warnungen derzeit auf begrenzte militärische oder hybride Aktionen, deren Urheberschaft zunächst unklar bleiben könnte.

Europas Sicherheitslage wird angespannter

Von einem unmittelbar bevorstehenden russischen Großangriff auf Europa kann nach den derzeit verfügbaren Informationen nicht gesprochen werden. Die neue dänische Gefahreneinschätzung ist dennoch bemerkenswert: Ein begrenzter militärischer Angriff auf einen NATO-Staat wird inzwischen offiziell als niedriges, aber wachsendes Risiko eingestuft.

Gleichzeitig zeigt der Streit um die angebliche Drohnenwarnung für Italien, Frankreich und Spanien, wie schwierig die Lage einzuschätzen ist. Zwischen realen Geheimdienstwarnungen, möglichen russischen Szenarien und noch unbestätigten Berichten muss klar unterschieden werden. Was sich jedoch verdichtet, ist die Einschätzung, dass Europas Auseinandersetzung mit Russland zunehmend auch Drohnen, Sabotage, Cyberangriffe und andere hybride Methoden umfasst – weit über das unmittelbare Kriegsgeschehen in der Ukraine hinaus.

(fd/krone)

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