„Hölle, Hölle, Hölle“

Wolfgang Petry ist 75

(22.09.2026) „Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle?“ – kaum ein deutscher Schlager-Refrain dürfte so viele Festzelte, Partys und Hallen zum Beben gebracht haben. Am 22. September wird Wolfgang „Wolle“ Petry 75 Jahre alt. Gleichzeitig blickt die Schlagerlegende auf 50 Jahre Musikkarriere zurück und präsentiert mit „Morgen Gold“ eine neue Single. Nur eines sollten sich seine Fans nicht erhoffen: Eine große Rückkehr auf die Konzertbühnen ist weiterhin nicht geplant.

„Gestern war Bronze, heute ist Silber, morgen ist Gold“

Petry macht aus seinem Alter kein Geheimnis. In seiner neuen Single „Morgen Gold“ singt er ganz bewusst über das Älterwerden: „Gestern war Bronze, heute ist Silber, morgen ist Gold.“ Auch im dazugehörigen Musikvideo blickt er zurück auf jene Jahre, in denen er zu einem der größten Stars des deutschen Schlagers wurde.

Optisch erinnert der heute fast 75-Jährige wieder stärker an früher: Die Haare sind länger, statt des markanten Schnauzers trägt er inzwischen einen grauen Dreitagebart, dazu Jeansjacke und lässiger Look. Seine legendären Freundschaftsbänder, die einst fast den gesamten Unterarm bedeckten, fehlen allerdings weiterhin.

Ende September soll auch das neue Album erscheinen – passend zum 50-jährigen Bühnenjubiläum.

Vom Kölner Jungen zum Schlagerstar

Wolfgang Petry wurde am 22. September 1951 in Köln geboren und machte schon als Jugendlicher Musik. Mit 16 Jahren verlor er überraschend seinen Vater. Seiner Mutter zuliebe absolvierte er zunächst eine Ausbildung, doch schnell war klar, dass ein geregeltes Berufsleben nichts für ihn war.

Petry wollte Musik machen und unabhängig sein. Anfang der 1970er-Jahre heiratete er seine Frau Rosi, mit der er bis heute zusammen ist. Gemeinsam haben sie Sohn Achim Petry, der später ebenfalls Musiker wurde.

Entdeckt wurde Wolfgang Petry schließlich in einer Diskothek. Der entscheidende Schritt folgte 1976, als er mit „Sommer in der Stadt“ in Dieter Thomas Hecks legendärer ZDF-„Hitparade“ auftrat.

„Wahnsinn“ und „Der Himmel brennt“

Danach kamen die Hits Schlag auf Schlag. „Gianna“, „Wenn ich geh'“, „Tu's doch“, „Der Himmel brennt“ und natürlich „Wahnsinn“ machten Petry zu einem der bekanntesten Schlagersänger Deutschlands.

Doch die Karriere verlief keineswegs immer geradlinig. Anfang der 1980er-Jahre wollte Petry weg vom klassischen Schlager. Die Texte erschienen ihm zu oberflächlich, stattdessen wollte er politischer werden. Später scherzte er darüber, er habe damals versucht, Herbert Grönemeyer „links zu überholen“.

Beim Publikum kam der Kurswechsel nicht gut an. Die Verkaufszahlen gingen zurück, seine Plattenfirma trennte sich von ihm und zeitweise stand sogar das Ende seiner Karriere im Raum.

Ein abgelehnter Song bringt das große Comeback

Dann kam ausgerechnet ein Lied, das Jürgen Drews zuvor abgelehnt haben soll. 1992 veröffentlichte Petry „Verlieben, verloren, vergessen, verzeih'n“ – und plötzlich war „Wolle“ wieder da.

Es begann die erfolgreichste Phase seiner Karriere. In den 1990er-Jahren füllte Wolfgang Petry große Hallen, verkaufte Millionen Tonträger und sammelte praktisch alle wichtigen Preise der Schlagerbranche.

Vor allem „Wahnsinn“ entwickelte sich zu einem generationenübergreifenden Partyklassiker. Aus Petrys Liedzeile wurde durch das Publikum der berühmte Schlachtruf „Hölle, Hölle, Hölle, Hölle“.

Die Freundschaftsbänder wurden zu seinem Markenzeichen

Mindestens genauso bekannt wie seine Musik wurde Petrys Erscheinungsbild. Karohemd, Schnauzer, lange Haare – und vor allem die unzähligen Freundschaftsbänder an seinem Arm.

Fans schenkten ihm immer neue Bänder, Petry trug sie über Jahre hinweg öffentlich. Sie wurden zu einem der ungewöhnlichsten Markenzeichen der deutschen Musikszene. Später legte er sie endgültig ab.

Was nach außen wie das perfekte Starleben aussah, wurde für Petry allerdings zunehmend zur Belastung.

„Schön, ein Musikant zu sein – grausam, ein Star zu sein“

2006 überraschte Wolfgang Petry seine Fans mit seinem Rückzug. Den permanenten Rummel um seine Person empfand er zunehmend als Belastung. Berühmt wurde sein Satz: „Es ist schön, ein Musikant zu sein, aber es ist grausam, ein Star zu sein.“

Die permanente Aufmerksamkeit habe ihn verändert. Petry sprach sogar von einer „Form von Freiheitsberaubung“. Interviews wurden selten, öffentliche Auftritte praktisch zur Ausnahme und eine klassische Tournee gab es nicht mehr.

Ganz mit der Musik aufgehört hat Petry allerdings nie. In den vergangenen Jahren veröffentlichte er immer wieder neue Songs und Alben – nur eben zu seinen eigenen Bedingungen.

Kein Handy, keine Kreditkarte – dafür seit Jahrzehnten dieselbe Frau

Auch privat lebt Petry offenbar deutlich zurückgezogener als viele andere Stars. Sohn Achim verriet zuletzt in einem Podcast, sein Vater besitze weder eine Kreditkarte noch ein Handy. Ohne Ehefrau Rosi sei sein Vater im Alltag nach eigener Einschätzung des Sohnes beinahe „lebensunfähig“.

Die beiden sind seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Paar – eine Seltenheit im Musikgeschäft.

Fans hoffen trotzdem auf ein Comeback

Mit „Morgen Gold“ zeigt Wolfgang Petry nun kurz vor seinem 75. Geburtstag erneut, dass er musikalisch noch lange nicht abgeschlossen hat. Eine große Tournee oder eine dauerhafte Rückkehr ins Rampenlicht ist allerdings weiterhin nicht angekündigt.

Viele Fans hoffen trotzdem darauf, „Wolle“ zumindest noch einmal live auf einer großen Bühne erleben zu können. Denn egal, wie viele Jahre seit seinen größten Erfolgen vergangen sind: Sobald die ersten Takte von „Wahnsinn“ erklingen, dauert es meist nur wenige Sekunden, bis wieder der ganze Saal weiß, was als Nächstes kommt:

„Hölle, Hölle, Hölle, Hölle.“

(fd/apa)

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