Waymo kommt nach Europa?
Der Kronehit Faktencheck
(26.08.2026) Fahrerlose Taxis sollen künftig auch auf europäischen Straßen zum Alltag gehören. Die Google-Schwester Waymo hat angekündigt, Ende 2027 in München einen öffentlichen Robotaxi-Dienst starten zu wollen. Damit wäre die bayerische Landeshauptstadt die erste Stadt innerhalb der Europäischen Union, in der Fahrgäste regulär Waymo-Autos ohne menschlichen Fahrer nutzen können.
Erste Waymo-Autos fahren schon bald durch München
Lange müssen die Münchner nicht warten, bis sie die auffälligen Fahrzeuge erstmals auf der Straße sehen. Laut Waymo sollen bereits in den kommenden Wochen die ersten Autos im Stadtgebiet unterwegs sein.
Vollständig autonom fahren sie zunächst allerdings noch nicht. In der ersten Phase sitzt geschultes Fachpersonal hinter dem Steuer. Die Fahrzeuge sollen das Münchner Straßennetz erfassen und hochauflösende Karten erstellen. Gleichzeitig wird das autonome Fahrsystem auf Besonderheiten wie Kreuzungen, Radverkehr, Baustellen und den dichten Stadtverkehr vorbereitet.
Ab Ende 2027 sollen Fahrgäste ohne Fahrer unterwegs sein
Der eigentliche Schritt soll gegen Ende 2027 folgen. Dann möchte Waymo seinen kommerziellen Fahrdienst in München für die Öffentlichkeit öffnen – und die Fahrzeuge sollen ohne Fahrer am Steuer unterwegs sein.
Fix ist der Start allerdings noch nicht. Waymo benötigt dafür die notwendigen Genehmigungen und arbeitet nach eigenen Angaben mit dem Kraftfahrt-Bundesamt sowie Landes- und Kommunalbehörden zusammen. Deutschland hat bereits einen gesetzlichen Rahmen für autonomes Fahren geschaffen.
München wird Waymos erste Stadt in der EU
Für Waymo ist München ein wichtiger Schritt bei der Expansion außerhalb der USA. Die bayerische Landeshauptstadt soll der erste kommerzielle Waymo-Standort innerhalb der Europäischen Union werden.
Das Unternehmen begründet die Entscheidung unter anderem mit der starken Autoindustrie, der Forschung und dem Technologieumfeld in München und Bayern. Auch die deutsche Bundesregierung sieht autonomes Fahren als wichtigen Zukunftsmarkt.
Für Österreich gibt es derzeit keine vergleichbare Ankündigung von Waymo. Die Robotaxis kommen mit München allerdings erstmals unmittelbar in die Nähe Österreichs.
Mehr als 20 Millionen Fahrten in den USA
In den Vereinigten Staaten sind Waymo-Robotaxis bereits in mehreren Städten im regulären Einsatz. Nach Angaben des Unternehmens wurden inzwischen mehr als 20 Millionen Fahrten durchgeführt. Insgesamt hätten Waymo-Fahrzeuge mehr als 350 Millionen Kilometer vollständig autonom zurückgelegt.
Waymo gibt zudem an, dass seine Fahrzeuge im Vergleich mit menschlichen Autofahrern deutlich weniger schwere Unfälle verursachten. Nach eigenen Auswertungen seien Unfälle mit Schwerverletzten 16-mal seltener, Unfälle mit verletzten Fußgängern 14-mal und solche mit verletzten Radfahrern sechsmal seltener. Dabei handelt es sich allerdings um Auswertungen des Unternehmens selbst.
Auch Robotaxis verursachen Unfälle und Fehler
Autonom bedeutet trotzdem nicht unfallfrei. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA sammelt Meldungen über Unfälle mit automatisierten Fahrzeugen und hat Waymo bereits mehrfach untersucht.
2024 leitete die Behörde beispielsweise eine Untersuchung nach Berichten über 17 Unfälle sowie weitere auffällige Verkehrssituationen ein. Dabei ging es unter anderem um Zusammenstöße mit abgestellten Fahrzeugen, Ketten und anderen Hindernissen sowie mögliche Verstöße gegen Verkehrsregeln. Bei den damals untersuchten Unfällen wurden laut NHTSA keine Verletzungen oder Todesfälle gemeldet.
Auch 2026 musste Waymo reagieren: Mehrere Fahrzeuge waren in den USA trotz Sperren in Autobahn-Baustellen gefahren. Das Unternehmen führte daraufhin einen Software-Rückruf beziehungsweise ein Update durch, um die Erkennung solcher Situationen zu verbessern.
In einem weiteren Fall eröffnete die NHTSA 2026 eine Untersuchung, nachdem ein fahrerloses Waymo-Fahrzeug in der Nähe einer Grundschule in einen Unfall mit einem Kind verwickelt war. Die Behörde prüft unter anderem, ob das Fahrzeug in der Schulzone angemessen reagiert hatte.
Waymo bezeichnet sein autonomes Fahrsystem als Waymo Driver. Kameras, Radar und Lasersensoren erfassen dabei permanent die Umgebung. Computer analysieren Fahrzeuge, Fußgänger, Radfahrer, Ampeln, Verkehrszeichen und andere Hindernisse und entscheiden anschließend selbstständig über Geschwindigkeit, Spurwechsel und Bremsmanöver. Das Ziel ist autonomes Fahren auf Level 4: Innerhalb eines klar definierten Einsatzgebiets kann das Auto alle Fahraufgaben selbst übernehmen, ohne dass ein Mensch ständig eingreifen können muss.
Fahrerlose Taxis in München: Was passiert jetzt?
Zunächst beginnt die Test- und Kartierungsphase mit Fahrern an Bord. Danach muss Waymo nachweisen, dass die Technik auch mit den besonderen Bedingungen des Münchner Straßenverkehrs zuverlässig umgehen kann.
Erst wenn die erforderlichen Genehmigungen vorliegen, sollen zahlende Fahrgäste ein Robotaxi bestellen können, in dem tatsächlich kein Fahrer mehr hinter dem Lenkrad sitzt.
Sollte der Zeitplan halten, könnte München damit Ende 2027 zu einem der ersten großen europäischen Schauplätze für fahrerlose Taxis im regulären Alltag werden.
(fd)